Zum Inhalt springen

Produktivität

SearXNG im Test

SearXNG ist eine Meta-Suchmaschine für den eigenen Server. Sie fragt mehrere Suchdienste gleichzeitig ab, führt deren Treffer in einer Liste zusammen und legt dabei kein Nutzerprofil an. Verbreitet ist sie außerdem als Suchzugang für KI-Systeme wie Perplexica und Open WebUI, die damit an Webtreffer kommen, ohne dass eine kostenpflichtige Such-API dazwischenhängt.

4,0 von 5

Stand 4. August 2026

Preismodell Kostenlos, Software kostenlos unter AGPL-3.0, Kosten nur für den eigenen Server ab rund 5,50 Euro im Monat
Betriebsort auf eigener Hardware
DSGVO im Einzelfall zu prüfen
Quelloffen ja, AGPL-3.0

Im Arbeitsalltag stehen Kundennamen und Aktenzeichen im Suchfeld, und bei einer kommerziellen Suchmaschine kommen sie zusammen mit IP-Adresse und Cookie beim Anbieter an. SearXNG setzt einen eigenen Server dazwischen. Er stellt die Anfrage stellvertretend bei mehreren Suchdiensten, sammelt die Treffer ein und liefert sie aus, ohne dass der Suchdienst den Menschen dahinter erkennt. Der Anfragetext selbst geht trotzdem hinaus, und welche Dienste ihn zu sehen bekommen, entscheidet die Konfiguration.

Wichtigste Funktionen

  • 274 Suchdienste, 83 davon ab Werk aktiv: Die Projektdokumentation zählt 274 eingebaute Suchdienste, von denen 83 nach der Installation antworten. In der Websuche sind das DuckDuckGo, Brave, Startpage und Google Custom Search, dazu Wikipedia und Wikidata für die Infobox. Bing, Qwant, Mojeek und Yahoo liegen bereit, du schaltest sie in den Einstellungen zu.
  • Auswahl der Quellen über eine einzige Datei: Welche Dienste antworten, welche Reiter (Web, Bilder, Videos, Nachrichten, Karten) erscheinen und wie die Oberfläche aussieht, steht in der settings.yml. Sollen nur europäische Quellen dabei sein, streichst du dort die übrigen. Auch einen eigenen Suchindex aus Elasticsearch, Meilisearch oder YaCy bindest du hier ein, seine Treffer stehen dann neben denen aus dem Web.
  • Suchzugang für KI-Systeme: Perplexica bringt SearXNG im selben Docker-Abbild mit, Open WebUI bindet eine vorhandene Instanz über deren Adresse ein. Damit recherchieren Sprachmodelle im Web, ohne dass eine kostenpflichtige Such-API dazwischenhängt. Für diese Anbindung ergänzt du in der settings.yml das Format json, ab Werk liefert SearXNG nur HTML aus.
  • Vorschaubilder laufen über den eigenen Server: Im mitgelieferten Container steht image_proxy auf true, die Bilder holt also die Instanz und nicht der Browser des Nutzers. Die automatische Vervollständigung und der Favicon-Dienst sind ab Werk leer, während des Tippens fragt die Oberfläche deshalb keinen fremden Anbieter.
  • Aufgeräumte Ergebnislinks: Ein mitgeliefertes Zusatzmodul entfernt Nachverfolgungs-Parameter aus den Adressen der Treffer, ein zweites schreibt Hostnamen um, etwa youtube.com auf eine eigene Instanz. Taschenrechner, Einheitenumrechnung und Zeitzonen-Auskunft beantwortet die Instanz selbst, ohne eine Suche auszulösen.

Preise und Tarife

SearXNG steht unter der AGPL-3.0 und kostet nichts. Eine Bezahlfassung mit zusätzlichen Funktionen gibt es nicht, und auch keinen Hersteller, bei dem man etwas buchen kann. Hinter dem Projekt steht eine GitHub-Organisation ohne Gesellschaftsform, den Quelltext pflegen Markus Heiser und eine Gruppe von Beitragenden. Versionsnummern vergibt das Projekt nicht, stattdessen erscheinen datierte Container-Abbilder; der jüngste Stand auf dem Hauptzweig stammt vom 1. August 2026, und das Projekt zählt über 34.000 GitHub-Sterne.

Geld kostet nur der Server. Ein kleiner Cloud-Server genügt, bei Hetzner beginnt die Reihe bei 5,49 Euro im Monat, dazu 0,50 Euro für eine IPv4-Adresse. Der Start läuft über die Compose-Datei im Ordner container/ des Projekts, das früher empfohlene Zusatz-Repository searxng-docker liegt seit dem 28. März 2026 im Archiv, ältere Anleitungen im Netz verweisen aber weiterhin darauf. Öffentlich betriebene Instanzen sind auf searx.space gelistet und kosten gar nichts, dort betreibt allerdings jemand anderes den Server und sieht die Anfragen mit.

Die genannten Serverbeträge sind Nettopreise, die Umsatzsteuer kommt auf der Rechnung hinzu.

Für wen ist SearXNG geeignet?

  • Firmen, die ihren Beschäftigten eine Suche ohne Werbeprofil geben wollen: Eine Instanz im Firmennetz nimmt die Anfragen entgegen, die Suchdienste sehen nur den Server und keine einzelne Person. Sind die voreingestellten Quellen vorher auf europäische Anbieter beschränkt, bekommt auch kein US-Dienst die Anfragetexte zu sehen.
  • Teams, die KI-Assistenten im eigenen Netz betreiben: Perplexica und Open WebUI holen ihre Webtreffer bei SearXNG. Das spart die Gebühren einer kommerziellen Such-API und hält die Recherche aus dem Konto eines einzelnen Suchanbieters heraus.
  • Administratoren mit eigenem Suchindex: Wer Elasticsearch, Meilisearch oder YaCy betreibt, hängt diese Quellen neben die Websuche und durchsucht interne Bestände in derselben Oberfläche wie das Web.

DSGVO und Datenschutz

Der Server steht bei dir, einen Dienst des Herstellers gibt es nicht, also auch keinen Auftragsverarbeiter und keinen Vertrag, den man mit ihm schließen müsste. Telemetrie fehlt ebenso wie eine Aktualisierungsprüfung oder ein sonstiger Rückkanal zum Projekt, und das Statistikmodul hält nur Antwortzeiten und Fehler der angebundenen Suchdienste fest, weder Anfragen noch IP-Adressen. Der Container erzeugt beim ersten Start einen zufälligen Sitzungsschlüssel, statt einen mitgelieferten weiterzuverwenden.

Ab Werk gehen die Anfragetexte an DuckDuckGo, Brave, Startpage und Google Custom Search, 3 dieser 4 Dienste betreiben US-Unternehmen. Einen Auftragsverarbeitungsvertrag gibt es mit keinem von ihnen, denn zwischen dem Betreiber der Instanz und diesen Diensten besteht überhaupt kein Vertragsverhältnis. Wer einen Mandantennamen ins Suchfeld tippt, überträgt ihn. Bei einer Metasuche ist diese Übermittlung der Zweck, steuern kannst du sie nur über die Auswahl der Suchdienste.

Die mitgelieferte Konfiguration führt außerdem zu fremden Instanzen hin, die Unbekannte betreiben. Im Fußbereich jeder frisch aufgesetzten Instanz steht ein Verweis auf searx.space, und bleibt eine Suche ohne Treffer, schlägt die Seite den Wechsel zu einer anderen Instanz vor. Die Projektdokumentation schreibt selbst, dass der Nutzer einer öffentlichen Instanz nicht weiß, ob seine Anfragen protokolliert, zusammengeführt und an Dritte weitergegeben oder verkauft werden, und die Liste auf searx.space bewertet die eingetragenen Instanzen unter anderem danach, ob sie fremde Skripte oder Statistikdienste einbinden. Datenschutzrechtlich ist eine fremde öffentliche Instanz etwas anderes als der Selbstbetrieb, auch wenn dieselbe Software läuft.

Eine Anmeldung kennt SearXNG gar nicht, die Zugriffsbremse gegen Massenabfragen ist ab Werk aus, und der Container hört auf allen Netzwerkschnittstellen; die dokumentierte Compose-Datei veröffentlicht Port 8080 auf dem Host. Jeder, der die Instanz im Netz erreicht, sucht über sie. Für die technischen Maßnahmen nach Artikel 32 DSGVO heißt das, dass ein Zugangsschutz davor gehört.

Tauglich wird SearXNG mit ein paar Eingriffen in die Konfiguration. Stellst du die voreingestellten Suchdienste auf europäische Anbieter oder einen eigenen Index um und machst die Instanz nur im Firmennetz erreichbar, sind die beiden schwerwiegenden Punkte erledigt; der Verweis auf die öffentlichen Instanzen gehört dann auch aus dem Fußbereich heraus. Verantwortlicher im Sinne der DSGVO ist danach der Betreiber selbst, und ein Auftragsverarbeitungsvertrag entfällt, weil kein Dienstleister mehr beteiligt ist.

Alternativen zu SearXNG

  • Perplexica: Baut auf SearXNG auf und schreibt aus den Treffern eine Antwort mit Quellenangaben, das Sprachmodell wählst du selbst. Das mitgelieferte SearXNG ist dort allerdings schlechter eingestellt als das Original, die automatische Vervollständigung zeigt ab Werk auf Google.
  • Whoogle: Holt Google-Ergebnisse und reicht sie ohne Werbung und Nachverfolgungs-Skripte weiter, aufgesetzt ist es schneller als SearXNG. Es führt aber nur diese eine Quelle und fasst nichts zusammen.
  • Brave Search API: Kostenpflichtige Schnittstelle auf einen eigenen Suchindex, rund 4,30 Euro je 1.000 Anfragen (5 USD), dazu ein monatliches Startguthaben in derselben Höhe. Für KI-Anwendungen im Dauerbetrieb ist das stabiler als das Abgreifen fremder Ergebnisseiten, dafür läuft die Abrechnung über ein US-Konto.

Wofür SearXNG taugt

  • Weder Telemetrie noch Aktualisierungsprüfung im Quelltext
  • 274 Suchdienste eingebaut, die Auswahl steht in einer einzigen Datei
  • Suchzugang für Perplexica, Open WebUI und andere KI-Systeme
  • Der Container erzeugt den Sitzungsschlüssel beim ersten Start selbst

Wo es hakt

  • Anfragetexte gehen ab Werk an DuckDuckGo, Brave, Startpage und Google Custom Search
  • Keine Anmeldung vorgesehen, der Container hört ab Werk auf allen Netzwerkschnittstellen
  • Die klassische Google-Websuche ist seit Juli 2026 ab Werk abgeschaltet, weil Google sie blockiert
  • Ergebnisqualität hängt an der Auswahl der Quellen und am Sperrverhalten der Anbieter

Wofür es eingesetzt wird

Websuche im Firmennetz ohne Werbeprofil · Suchzugang für KI-Systeme im eigenen Netz · Interner Suchindex und Websuche in einer Oberfläche