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Produktivität

Immich im Test

Immich ist eine selbst gehostete Fotoverwaltung, die Google Fotos ersetzt und dabei auf dem eigenen Server läuft. Gesichtserkennung, Suche nach Bildinhalten und automatisches Backup vom Smartphone sind eingebaut. Version 3.0 vom Juli 2026 hat Automatisierungen und nächtliche Integritätsprüfungen ergänzt, dazu eine Videowiedergabe mit Echtzeit-Umwandlung. Hinter der Entwicklung steht die FUTO-Organisation.

4,5 von 5

Stand 3. August 2026

Preismodell Kostenlos, quelloffen, freiwilliger Produktschlüssel ab 21,50 Euro
Betriebsort auf eigener Hardware
DSGVO ohne weitere Auflagen einsetzbar
Quelloffen ja, AGPL-3.0

Beim Wechsel von Google Fotos oder iCloud auf einen eigenen Server fallen die Suche nach Bildinhalten und das automatische Backup vom Smartphone normalerweise weg. Immich holt beides zurück. Bedienung und Aufbau orientieren sich sichtbar am Vorbild, entsprechend gering fällt die Umgewöhnung aus. Für die Suche auf Deutsch stellst du in den Administrationseinstellungen ein mehrsprachiges Bildmodell (CLIP) ein, denn voreingestellt ist mit ViT-B-32__openai ein Modell für englische Suchbegriffe.

Wichtigste Funktionen

  • Suche nach Bildinhalten: Du tippst "Hund im Garten" und Immich zeigt die passenden Fotos, ohne dass jemals ein Schlagwort vergeben wurde. Dahinter arbeiten CLIP-Modelle und die Postgres-Erweiterung VectorChord. Auch Text, den Immich in Bildern erkannt hat, ist über dieselbe Suche auffindbar, etwa eine Rechnungsnummer auf einem abfotografierten Beleg.
  • Gesichts- und Objekterkennung: Immich gruppiert Fotos nach Personen und erkennt Objekte und Szenen. Die Modelle laufen in einem mitgelieferten Container für maschinelles Lernen auf eurer eigenen Hardware. Wie viele Aufnahmen eine Person haben muss, bevor sie als eigenes Gesicht auftaucht, stellt jeder Nutzer seit Version 3.0 selbst ein.
  • Automatisierungen: Ein Auslöser, ein paar Filter und eine Aktion ergeben seit Version 3.0 eine Regel, etwa dass neu hochgeladene Bilder aus einem bestimmten Serverpfad in ein Album wandern oder über einen Webhook ein anderes Programm anstoßen. Version 3.1 hat Filter auf die Aufnahmedaten im Bild (EXIF) ergänzt. Das Projekt kennzeichnet die Funktion ausdrücklich als Vorschau.
  • Automatisches Smartphone-Backup: Die iOS- und Android-App sichert neue Aufnahmen im Hintergrund. Auf Android lädt seit Version 3.0 ein neuer Hintergrunddienst auch gewachsene Altbestände hoch, vorher waren nur frisch aufgenommene Bilder an der Reihe. Ist das Freigeben von Speicherplatz eingeschaltet, entfernt die App die gesicherten Kopien anschließend vom Gerät.
  • Bearbeitung ohne Eingriff ins Original: Zuschnitt und Drehung liegen in der Datenbank, die Originaldatei bleibt unangetastet, und jede Änderung nimmst du wieder zurück. Denselben Editor hat Version 3.0 auch in die Mobil-App gebracht, damit eine Bearbeitung unterwegs später am Rechner weitergeht.
  • Integritätsprüfung und Datenbank-Backup: Ein nächtlicher Auftrag vergleicht die Dateien auf der Platte mit dem Datenbankstand und listet verwaiste Dateien, Einträge ohne zugehörige Datei und Prüfsummen, die nicht mehr passen. So fallen stille Dateiverluste auf einem NAS auf, bevor jemand das Bild sucht. Das Backup der Datenbank startest du im Browser und spielst es dort auch wieder ein, ohne Kommandozeile.

Preise und Tarife

Immich kostet nichts, und das Projekt hat zugesagt, nie eine Funktion hinter eine Bezahlschranke zu stellen. Wer die Entwicklung unterstützen möchte, kauft einen freiwilligen Produktschlüssel, einmalig 86 Euro für einen ganzen Server (100 USD) oder 21,50 Euro für einen einzelnen Nutzer (25 USD). Beide Schlüssel sind reine Unterstützung und schalten keine Funktion frei.

Die realen Kosten stecken in der Hardware. Das Projekt nennt als Untergrenze 6 GB Arbeitsspeicher und 2 Prozessorkerne, empfiehlt 8 GB und 4 Kerne und weist darauf hin, dass 4 GB nur ohne die KI-Funktionen reichen. Vorschaubilder und umgewandelte Videos vergrößern die Bibliothek im Schnitt um 10-20 %, und die Postgres-Datenbank gehört auf lokale SSD statt auf eine Netzfreigabe.

Die neue Echtzeit-Umwandlung von Videos verlangt zusätzliche Rechenleistung oder eine Grafikkarte mit Hardwarebeschleunigung. Die beiden Beträge für den Produktschlüssel sind Nettopreise, die Umsatzsteuer kommt beim Kauf noch hinzu.

Für wen ist Immich geeignet?

  • Privatpersonen und Familien als Ersatz für Google Fotos: Der Komfort bleibt weitgehend erhalten. Geteilte Alben und getrennte Nutzerkonten regeln, wer welchen Bestand sieht, und für den Umzug gibt es ein Kommandozeilenwerkzeug, das ganze Ordnerbäume einliest.
  • Marketing- und Fotoabteilungen mit eigenem Bildarchiv: Produkt-, Messe- und Veranstaltungsfotos sammeln sich ungeordnet auf einer Netzfreigabe an, verschlagwortet hat sie niemand. Die Suche über den Bildinhalt macht sie wieder auffindbar, und die erkannten Textstellen auf Schildern oder Etiketten kommen als Suchtreffer gleich mit.
  • Betreiber eines NAS oder Servers mit Docker-Erfahrung: Immich läuft als Docker-Compose-Verbund aus Server, Datenbank und Erkennungscontainer. Wer solche Verbünde schon betreibt, hat die Installation an einem Nachmittag stehen. Ohne diese Erfahrung wird der Einstieg aufwendig, und eine verwaltete Alternative als Rückfallebene gibt es nicht.

DSGVO und Datenschutz

Immich kennt keinen Herstellerdienst, der Fotos, Videos oder Metadaten entgegennimmt. Du betreibst Server und Datenbank selbst und legst damit auch den Standort fest. Die KI-Auswertung für Suche und Gesichtserkennung läuft im mitgelieferten Container, und die Umwandlung von Koordinaten in Ortsnamen greift auf einen lokal hinterlegten Datenbestand zu.

Ab Werk lädt die Kartenansicht ihre Kacheln von tiles.immich.cloud, einem Dienst des Projekts, und die Versionsprüfung fragt beim Projekt nach neuen Ausgaben. Administratoren schalten beides in den Systemeinstellungen ab. Messwerte für Überwachungssysteme wie Prometheus gibt Immich nur nach ausdrücklicher Freischaltung heraus, und laut Dokumentation empfängt sie allein das Ziel, das du selbst einträgst.

Für Bestände mit Personenbezug wie Mitarbeiterfotos, Veranstaltungsbildern oder Baustellendokumentation ist Immich damit eine tragfähige Grundlage, solange der Server in der EU steht und du über die beiden Verbindungen nach außen bewusst entscheidest.

Alternativen zu Immich

  • Nextcloud: Deckt neben Fotos auch Dokumente, Kalender und Dateien ab. Die Fotoansicht darin bleibt bei Suche und Personenerkennung hinter Immich zurück, dafür bekommst du eine Plattform für die tägliche Zusammenarbeit.
  • Seafile: Synchronisiert Dateien über viele Geräte und Standorte hinweg, hat aber keine eigene Bild-KI. Das passt, wenn Fotos nur ein Ordner unter vielen sind.

Wofür Immich taugt

  • Suche über den Bildinhalt, ohne dass vorher jemand Schlagworte vergeben muss
  • Automatisches Smartphone-Backup für iOS und Android, auf Android seit Version 3.0 auch für den Altbestand
  • Zuschnitt und Drehung liegen in der Datenbank, die Originaldatei bleibt unverändert
  • Automatisierungen aus Auslöser, Filter und Aktion seit Version 3.0
  • Über 109.000 GitHub-Sterne, AGPL-3.0, aktiv unter dem Dach von FUTO entwickelt

Wo es hakt

  • Kein verwaltetes Hosting, der Betrieb liegt vollständig bei dir
  • Mindestens 6 GB Arbeitsspeicher, mit weniger läuft Immich nur ohne die KI-Funktionen
  • Version 3 setzt die Datenbank-Erweiterung VectorChord und einen Prozessor ab x86-64-v2 voraus

Wofür es eingesetzt wird

Fotos und Videos selbst hosten · Bilder über ihren Inhalt wiederfinden · Smartphone-Backup automatisieren · Gemeinsame Fotobibliothek für ein Team