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Produktivität

Obsidian im Test

Obsidian legt jede Notiz als einfache Markdown-Datei auf deinem Gerät ab, lesbar mit jedem Editor und unabhängig vom Hersteller. Über 6.000 Community-Plugins erweitern die Anwendung, darunter mehrere, die den Notizbestand an lokale Sprachmodelle anbinden. Seit Version 1.12 gibt es eine eigene Kommandozeile, über die Skripte und KI-Agenten direkt mit den Notizen arbeiten.

4,5 von 5

Stand 9. August 2026

Preismodell Freemium, Kostenlos, auch im Unternehmen / Obsidian Sync ab 3,44 Euro pro Monat / Obsidian Publish ab 6,88 Euro pro Website und Monat (jeweils jährlich)
Betriebsort auf eigener Hardware
DSGVO im Einzelfall zu prüfen
Quelloffen nein

Wer sein Wissen über Jahre aufbaut, braucht eine Antwort darauf, was mit den Notizen passiert, wenn der Anbieter die Preise anhebt oder das Produkt einstellt. Bei Obsidian passiert dann nichts, weil die Notizen als Textdateien in einem Ordner auf deiner Festplatte liegen. Du öffnest sie mit jedem Editor und versionierst sie bei Bedarf per Git. Die Anwendung ist die Oberfläche darüber, die Dateien gehören dir auch ohne sie.

Wichtigste Funktionen

  • Lokale Markdown-Dateien: Jede Notiz ist eine .md-Datei in einem gewöhnlichen Ordner, für den du kein Konto anlegen und nichts importieren musst. Was 2026 entschieden wurde, liest du auch in 10 Jahren noch nach, ohne dass dafür eine Lizenz laufen oder ein Exportwerkzeug bereitstehen muss.
  • Verlinkungen und Graph-Ansicht: Notizen verweisen wechselseitig aufeinander, und die Rückverweis-Liste sammelt bei jeder Notiz alle, die auf sie zeigen. Die Graph-Ansicht zeichnet dieses Netz nach und macht sichtbar, wo ein Thema gut vernetzt ist und wo es isoliert liegt.
  • Bases: Die eingebaute Datenbankfunktion macht aus einer Sammlung von Notizen eine filter- und sortierbare Ansicht, ähnlich wie in Notion. Seit Version 1.10 gibt es dafür 4 Darstellungen, von der Tabelle über eine Galerie mit Vorschaubildern und eine einfache Liste bis zur Landkarte mit Ortsmarken. Eine Kanban-Ansicht ist laut Hersteller in Arbeit.
  • Kommandozeile: Version 1.12 vom Februar 2026 bringt eine eigene Kommandozeile mit, die du in den Einstellungen freischaltest. Damit legst du Notizen an, durchsuchst den Bestand und steuerst Plugins aus einem Shell-Skript oder einem Cronjob heraus. Der Hersteller nennt als Einsatzzweck ausdrücklich auch KI-Agenten, die programmgesteuert auf die Notizen zugreifen.
  • KI-Plugins für lokale Modelle: Aus dem Katalog von über 6.000 Community-Plugins binden Erweiterungen wie Copilot, Local GPT oder Smart Connections ein Sprachmodell an den eigenen Notizbestand an. Die Plugins arbeiten wahlweise mit einem lokal betriebenen Modell oder mit einer Cloud-API, für vertrauliche Notizen empfehlen wir die lokale Variante. Seit Version 1.11 gibt es einen gemeinsamen Schlüsselspeicher, in dem mehrere Plugins denselben Zugangsschlüssel nutzen.
  • Canvas: Auf einer freien Fläche ordnest du Notizen, Bilder und Verbindungslinien an. Das hilft bei Projektskizzen und bei Themen, für die eine lineare Notiz zu eng ist.

Preise und Tarife

Obsidian selbst kostet nichts, auch im Unternehmen. Seit Februar 2025 ist die Commercial License freiwillig, und für die Nutzung verlangt der Hersteller kein Konto. Firmen, die die Entwicklung unterstützen wollen, zahlen dafür 43 Euro pro Nutzer und Jahr (50 USD), Einzelpersonen bekommen mit der Catalyst-Lizenz für einmalig 21,50 Euro (25 USD) Zugang zu Beta-Versionen.

Bezahlen musst du nur die beiden Zusatzdienste. Obsidian Sync Standard liegt bei rund 3,44 Euro pro Nutzer und Monat (4 USD, jährliche Zahlung) oder 4,30 Euro bei monatlicher Zahlung und deckt einen Notizordner mit 1 GB Speicher, 5 MB je Datei und 1 Monat Versionsverlauf ab. Sync Plus kostet rund 6,88 Euro pro Monat (8 USD, jährlich) oder 8,60 Euro monatlich und erlaubt 10 Notizordner, 10 GB Speicher, 200 MB je Datei, 12 Monate Versionsverlauf und gemeinsam genutzte Ordner für die Arbeit im Team.

Obsidian Publish veröffentlicht Notizen als Website und kostet rund 6,88 Euro pro Website und Monat (8 USD, jährlich) bei 4 GB Speicher. Übernimmt stattdessen Nextcloud, Syncthing oder Git die Synchronisation, zahlst du an Obsidian gar nichts. Alle genannten Beträge stammen aus der US-Preisliste des Herstellers und sind Nettobeträge, beim Kauf aus Deutschland kommt die Umsatzsteuer darauf.

Für wen ist Obsidian geeignet?

  • Kanzleien, Praxen und Ingenieurbüros mit vertraulichen Unterlagen: Ohne Sync und Publish verarbeitet kein externer Dienstleister die vertraulichen Daten in deinem Auftrag. Die Verteilung im Team übernimmt der Speicherort, den die Firma ohnehin nutzt, und für Fragen an den eigenen Bestand reicht ein lokal betriebenes Modell, das du über ein Plugin anbindest.
  • Wissensarbeiter, die über Jahre ein Archiv aufbauen: Verlinkungen und die Zettelkasten-Methode zahlen sich vor allem bei großen Beständen aus, weil sie Zusammenhänge sichtbar halten, die eine Ordnerstruktur verliert. Die Suche funktioniert auch ohne Internetverbindung, weil sie auf den Dateien selbst arbeitet.
  • Teams, die ihre Ablage per Skript oder KI-Agent bearbeiten: Die Kommandozeile macht den Notizbestand für Automatisierung zugänglich, etwa um Protokolle aus einem anderen System einzuspielen oder nachts eine Zusammenfassung erzeugen zu lassen. Wer den Ordner zusätzlich in Git legt, kann jede Änderung nachvollziehen und zurückholen.

Für den eigenen Zettelkasten reicht Obsidian so, wie es ist. Ein gemeinsamer Wissensbestand fürs Team ist ein anderes Vorhaben, mit einer Struktur, an die sich alle halten, und einem lokalen Modell, das Fragen an den Bestand beantwortet. So einen Bestand setzen wir mit senqo Wissensmanagement um, als Markdown-Dateien, die auch ohne uns lesbar bleiben.

DSGVO und Datenschutz

Hinter Obsidian steht die kanadische Dynalist Inc. Die Anwendung arbeitet ausschließlich mit Dateien auf deinem Gerät und schickt deine Inhalte nicht an den Hersteller. Obsidian Sync und Obsidian Publish laufen dagegen auf Servern des Anbieters. Bei Sync kannst du Frankfurt als Region wählen, und die Inhalte sind Ende-zu-Ende-verschlüsselt, der Hersteller kann sie also nicht lesen.

Einen Auftragsverarbeitungsvertrag veröffentlicht Dynalist für diese Dienste nicht. Dieser Vertrag regelt, wie ein Dienstleister die personenbezogenen Daten seines Auftraggebers verarbeiten darf. Auch die Datenschutzerklärung hat keinen eigenen DSGVO-Abschnitt.

Eigene KI-Funktionen hat Obsidian nicht, ein Training mit deinen Notizen findet beim Hersteller also nicht statt. Was mit den Inhalten geschieht, sobald ein KI-Plugin sie an ein Modell schickt, entscheidet der Anbieter dieses Modells, und bei einem lokal betriebenen Modell entfällt die Frage. Für die rein lokale Nutzung ist die fehlende Vertragslage ohne Belang, weil es dabei keinen Auftragsverarbeiter gibt.

Sobald du Sync oder Publish im Unternehmen einsetzt, brauchst du diesen Vertrag und musst ihn beim Hersteller anfragen. Deshalb steht das DSGVO-Merkmal in diesem Eintrag auf nein, obwohl Obsidian ohne die beiden Zusatzdienste datenschutzrechtlich unproblematisch ist.

Alternativen zu Obsidian

  • Notion: Bündelt Notizen, Datenbanken und Projektmanagement in einem Cloud-Arbeitsbereich und ist schneller bedienbar, weil die Struktur schon da ist. Dafür liegen die Inhalte auf US-Servern, und der Weg zurück in ein offenes Format ist ein eigener Arbeitsschritt.
  • AFFiNE: Quelloffen, verbindet Dokumente, Whiteboard und Datenbanken in einer Anwendung, die du per Docker selbst betreibst. Die KI arbeitet direkt im Editor, ohne dass du erst ein Plugin auswählst. Das Projekt ist jünger, und das Erweiterungsangebot ist deutlich kleiner.
  • Open Notebook: Wertet eigene Dokumente mit einem Sprachmodell aus, per Chat oder als erzeugter Podcast, und du betreibst es auf eigenen Servern. Für das tägliche Schreiben ersetzt es Obsidian nicht.

Wofür Obsidian taugt

  • Alle Notizen als Markdown-Dateien auf dem eigenen Gerät, ohne Anbieterbindung
  • Kommandozeile seit Version 1.12 für Shell-Skripte, Cronjobs und KI-Agenten
  • Über 6.000 Community-Plugins, mehrere davon für lokale Sprachmodelle
  • Auch kommerziell kostenlos nutzbar, ein Konto verlangt der Hersteller nicht

Wo es hakt

  • Die Anwendung selbst ist proprietär, der Quellcode ist nicht einsehbar
  • KI-Funktionen nur über Plugins, die du einzeln einrichtest und pflegst
  • Kein öffentlich abrufbarer Auftragsverarbeitungsvertrag für Sync und Publish
  • Steilere Lernkurve als bei Cloud-Notizbüchern mit fertiger Struktur

Wofür es eingesetzt wird

Persönliche Wissensdatenbank aufbauen · Notizen mit lokalen Modellen durchsuchen · Zettelkasten-Methode umsetzen · Notizbestand per Skript automatisieren