Pi: KI-Tool Test & Bewertung
Pi ist ein quelloffener Baukasten für KI-Agenten von Mario Zechner. In einem Repository stecken ein selbst erweiterbarer Coding-Agent, eine einheitliche Schnittstelle zu 40 Modellanbietern, eine Bibliothek für Terminal-Oberflächen und die Agenten-Laufzeit darunter. Seit April 2026 gehört das Projekt der US-Gesellschaft Earendil Inc., die daneben den kostenpflichtigen Modellzugang Radius betreibt.
Zuletzt aktualisiert: 4. August 2026
Claude Code und OpenCode kommen als fertiges Programm, und Sie arbeiten mit dem, was der Hersteller eingebaut hat. Bei Pi ist der Kern bewusst klein. Er kennt genau vier Werkzeuge, nämlich Dateien lesen, schreiben und ändern sowie Shell-Befehle ausführen. Alles Weitere kommt über Erweiterungen in TypeScript dazu, die Sie selbst schreiben oder als Paket über npm beziehen, und mit denselben Bausteinen entsteht auch ein komplett eigener Agent, ohne dass Sie Pi selbst ändern müssen.
Wichtigste Funktionen
- Coding-Agent für die Kommandozeile (
pi-coding-agent): Der Agent liest und schreibt Code und führt Terminal-Befehle aus, vergleichbar mit Claude Code oder OpenCode. Bedienen können Sie ihn von Hand im Terminal, aus einem Skript heraus mit Text- oder JSON-Ausgabe, als Hintergrunddienst, den andere Programme ansprechen, oder eingebettet über ein Entwicklerpaket (SDK). - Eine Schnittstelle für 40 Anbieter (
pi-ai): 34 Anbieter binden Sie über einen API-Schlüssel an, 6 weitere über eine Anmeldung, darunter vorhandene Abos bei ChatGPT Plus/Pro, Claude Pro/Max und GitHub Copilot. Modell und Anbieter wechseln Sie mitten in der Sitzung über/model, ohne Ihren eigenen Code anzupassen. - Agenten-Laufzeit und Terminal-Oberfläche (
pi-agent-core,pi-tui): Die Laufzeit übernimmt Werkzeugaufrufe und den Gesprächszustand, während die Oberflächen-Bibliothek nur die tatsächlich geänderten Bildschirmbereiche neu zeichnet. Damit bauen Entwickler eigene Agenten, ohne die Ablauflogik jedes Mal von Hand zu schreiben. - Lokale Modelle auf der eigenen Maschine: Seit Version 0.81.0 vom 21.07.2026 spricht Pi mit einem llama.cpp-Router auf dem eigenen Rechner, sucht Modelle auf Hugging Face, lädt sie herunter und schaltet sie im laufenden Betrieb an und ab. So arbeitet der Agent auf Wunsch ohne einen einzigen externen Modellanbieter.
- Abgrenzung über Container oder virtuelle Maschine: Pi bringt kein eigenes Berechtigungssystem mit und läuft mit den Rechten des startenden Nutzers. Das Projekt sagt das offen und nennt als Abhilfe eine schlanke virtuelle Linux-Maschine namens Gondolin, einen Docker-Container oder eine regelgesteuerte Ausführungsumgebung namens OpenShell.
- Projektvertrauen und nachprüfbare Veröffentlichungen: Startet Pi in einem fremden Repository, das eigene Einstellungen oder Erweiterungen mitbringt, fragt es vor dem Laden nach. Jede Veröffentlichung enthält seit dem 21.07.2026 ein Quellarchiv mit Prüfsummen. Pi legt seine direkten Abhängigkeiten auf exakte Versionen fest und überspringt beim Auflösen npm-Pakete, die am selben Tag erschienen sind.
Preise und Tarife
Pi selbst kostet nichts, das gesamte Repository steht unter der MIT-Lizenz und ist ohne Auflagen auch kommerziell nutzbar. Laufende Kosten entstehen bei den Modellanbietern, die Sie anbinden, denn diese rechnen ihre Token getrennt ab. Bei lokalen Modellen auf eigener Hardware bleiben nur Anschaffung und Strom.
Seit April 2026 verkauft der Eigentümer Earendil Inc. zusätzlich einen eigenen Modellzugang namens Radius, den Pi im Anmeldemenü direkt neben ChatGPT und Claude führt. Radius rechnet über Guthaben ab, das eine Organisation auflädt, und listet 38 Modelle mit Preisen je Million Token. DeepSeek V4 Flash liegt dort bei 0,12 Euro für die Eingabe und 0,24 Euro für die Ausgabe (0,14 und 0,28 USD), GLM-5.2 bei 1,20 und 3,78 Euro, Claude Opus 5 bei 4,30 und 21,50 Euro.
Nach Angaben von Earendil läuft der Dienst noch in einer frühen Alpha-Phase, und ein Konto legen Sie nur über die Radius-Webseite an. Alle genannten Token-Preise verstehen sich netto, auf einer Rechnung an ein deutsches Unternehmen kommt die Umsatzsteuer noch dazu.
Für wen ist Pi geeignet?
- Entwicklungsteams, die eigene Agenten bauen: Für den Einbau in ein bestehendes TypeScript-Projekt oder für einen zugeschnittenen Arbeitsablauf sind
pi-agent-coreundpi-aidie Bausteine. Erweiterungen laufen als normale TypeScript-Module. - Firmen, die sich nicht an einen Modellanbieter binden wollen: Wer heute OpenAI nutzt und morgen zu Anthropic, Google oder einem europäischen Anbieter wechseln möchte, tauscht bei Pi den Eintrag im Modellmenü. Das hält Kosten und Modellauswahl beweglich, auch wenn ein Anbieter seine Preise anzieht.
- Teams, die lokale Modelle betreiben: Über den llama.cpp-Router arbeitet Pi mit Modellen auf dem eigenen Rechner. Laden und entladen können Sie sie aus dem Programm heraus, ohne den Router neu zu starten. Mit gesetztem
--offlineverzichtet Pi zusätzlich auf die Aufrufe an pi.dev, die es sonst beim Start macht.
DSGVO und Datenschutz
Pi läuft selbst gehostet. Ihre Anfragen an das Modell gehen direkt an den Anbieter, den Sie hinterlegt haben, ohne einen Dienst des Herstellers dazwischen. Das grüne Abzeichen trägt der Eintrag seit August 2026 trotzdem nicht mehr.
Hersteller ist seit dem 08.04.2026 die Earendil Inc., eine US-amerikanische Public Benefit Corporation, also eine Gesellschaft mit satzungsmäßigem Gemeinwohlzweck, die Armin Ronacher und Colin Daymond Hanna 2025 gegründet haben. Sie hat das Projekt von Mario Zechner übernommen, der es bei Earendil weiterführt. Ein Impressum, Nutzungsbedingungen oder eine Datenschutzerklärung gibt es weder auf pi.dev noch auf earendil.com, damit fehlen auch Rechtswahl, Gerichtsstand und ein Auftragsverarbeitungsvertrag. Für ein deutsches Unternehmen existiert also kein benennbarer Vertragspartner für die Dienste, die das Programm von sich aus anspricht.
Diese Dienste sind ab Werk aktiv. Bei jedem Start fragt Pi unter pi.dev/api/latest-version nach der neuesten Version und überträgt dabei IP-Adresse, Programmversion, Betriebssystem, Prozessorarchitektur und Laufzeitumgebung. Nach einer Neuinstallation und nach jedem Versionssprung meldet sich das Programm zusätzlich unter pi.dev/api/report-install, und dieser Schalter ist in den Einstellungen standardmäßig eingeschaltet. Die Modellkataloge der Anbieter, bei denen Sie angemeldet sind, holt Pi ebenfalls von pi.dev, höchstens alle 4 Stunden.
Abschalten können Sie all das über den Aufruf --offline oder die Variable PI_OFFLINE=1, die Installationsmeldung zusätzlich über einen Schalter in /settings. pi.dev selbst läuft über Cloudflare.
Dazu kommt Radius, der herstellereigene Modellzugang mit Guthaben, Rechnungen und Nutzungsauswertung je Mitglied, den Sie mit /login radius aus demselben Programm heraus erreichen. Ein Berechtigungssystem bringt Pi nicht mit, es läuft mit den vollen Rechten des startenden Nutzers, und die Sicherheitsdokumentation des Projekts beschreibt das ausdrücklich als gewollt.
Für personenbezogene Daten bleibt Pi damit nur unter engen Bedingungen vertretbar, nämlich mit lokalen Modellen, mit gesetztem --offline und in einem Container. Wer stattdessen einen Cloud-Anbieter anbindet, richtet sich nach dessen Serverstandort und Vertragswerk, denn ein eigenes hat Earendil nicht veröffentlicht.
Alternativen zu Pi
- OpenCode: Coding-Agent für Terminal, Desktop und Editor mit Anbindung an über 75 Modellanbieter. Schneller eingerichtet und enger auf Entwicklungsaufgaben zugeschnitten, allerdings ohne die Bausteine für einen eigenen Agenten.
- Goose: Quelloffener Agent unter Apache-2.0, seit April 2026 bei der Agentic AI Foundation der Linux Foundation. Bringt vier Berechtigungsstufen und eine Desktop-Anwendung mit, taugt also für Teams, die eine grafische Oberfläche und eine Freigabe pro Werkzeugaufruf brauchen.
- Claude Code: Anthropics eigener Coding-Agent, ausgereifter und enger mit den Claude-Modellen verzahnt, dafür geschlossen und an ein Abo gebunden.
Vorteile
- MIT-Lizenz, auch kommerziell ohne Auflagen nutzbar
- Eine Schnittstelle für 40 Anbieter, lokale Modelle auf der eigenen Maschine eingeschlossen
- Coding-Agent und die Bausteine darunter liegen im selben Repository
- Sehr aktiv gepflegt, 12 Versionen allein im Juli 2026
- Erweiterbar über Skills, TypeScript-Erweiterungen und ein SDK
Nachteile
- Kein eingebautes Berechtigungssystem, Abgrenzung nur über Container oder virtuelle Maschine
- Versionsprüfung und Installationsmeldung gehen ab Werk an den Hersteller-Server pi.dev
- Weder Impressum noch Nutzungsbedingungen noch Datenschutzerklärung veröffentlicht
- Noch keine stabile Fassung 1.0, aktuell Version 0.83
- Das Projekt schließt Meldungen und Beiträge neuer Mitwirkender standardmäßig automatisch