Produktivität
anarlog im Test
anarlog ist eine quelloffene Notiz-App für Meetings, hervorgegangen aus Hyprnote und seit Mai 2026 unter diesem Namen. Sie wandelt das Gespräch auf dem Rechner in Text um und erzeugt aus eigenen Stichpunkten und dem vollständigen Transkript eine Zusammenfassung. Das Sprachmodell ist frei wählbar, von Cloud-Anbietern bis zu lokalen Modellen. Die Meetingdaten liegen in einer Datenbank auf dem Rechner, gehostete Funktionen kosten seit Mitte 2026 Geld und bleiben optional.
Stand 3. August 2026
| Preismodell | Freemium, Kostenlos mit eigenen API-Schlüsseln (MIT-Lizenz), Pro 12,90 Euro pro Monat oder 129 Euro im Jahr |
|---|---|
| Betriebsort | beides möglich |
| DSGVO | im Einzelfall zu prüfen |
| Quelloffen | ja, MIT |
Meeting-Protokolle kosten Zeit, die nach einem Tag voller Termine kaum noch bleibt. Dienste wie Otter.ai oder Fireflies lösen das mit einem Bot, der dem Meeting beitritt und alles aufzeichnet. Das ist praktisch, sorgt bei vertraulichen Gesprächen aber für Unbehagen. anarlog nimmt stattdessen direkt die Audio-Ein- und Ausgabe des eigenen Rechners auf, ohne dass jemand zusätzlich im Termin sitzt.
Das Projekt hat in gut einem Jahr über 8.000 Sterne auf GitHub gesammelt, zuerst unter dem Namen Hyprnote, kurzzeitig als Char, seit Mai 2026 als anarlog. Die Desktop-App baut auf Tauri auf und läuft auf Macs mit Apple-Silicon- und Intel-Chip, aktuell in der Fassung desktop_v1.4.1 vom 3. August 2026. Fassungen für Linux und Windows sind angekündigt, aber noch nicht erschienen.
Wichtigste Funktionen
- Aufnahme ohne Bot im Meeting: anarlog erfasst Mikrofon und Systemton direkt auf dem Rechner. Es tritt kein zusätzlicher Teilnehmer bei, niemand muss einen Link freigeben, und die Aufnahme läuft im Hintergrund weiter, während du mitschreibst.
- Transkription auf dem Rechner: Auf Macs mit Apple-Silicon-Chip lädt anarlog ein Spracherkennungsmodell herunter und wandelt das Gespräch ohne Netzverbindung in Text um. Je nach Modell erscheint der Text live während des Meetings oder erst nach dem Stoppen der Aufnahme.
- Freie Wahl von Transkription und Sprachmodell: Für die Zusammenfassung bindest du mit eigenem Schlüssel OpenAI, Anthropic, Gemini oder OpenRouter ein, seit Version 1.4.0 auch Amazon Bedrock und Google Vertex AI. Alternativ übernimmt ein lokales Modell die Zusammenfassung. Bei der Transkription kamen im August 2026 Deepgram, Speechmatics und Azure AI Speech dazu.
- Zusammenfassungen nach eigenen Vorlagen: Aus deinen Stichpunkten und dem vollständigen Transkript entsteht eine strukturierte Zusammenfassung, deren Aufbau du über Vorlagen vorgibst. Namen, Abkürzungen und Fachbegriffe hinterlegst du in einem Wörterbuch, damit die Erkennung sie richtig schreibt. Du wählst eine Hauptsprache für die Ausgabe und gibst an, welche Sprachen im Meeting gesprochen werden.
- Daten in einer lokalen Datenbank: Notizen, Transkripte und Einstellungen liegen in einer SQLite-Datenbank auf dem Rechner, Aufnahmen als normale Audiodateien daneben. Für die Weiterverarbeitung exportiert anarlog Markdown und andere Formate. Wie lange Audio aufbewahrt wird, stellst du selbst ein, von gar nicht speichern über 1 Tag, 3 Tage, 1 Woche und 1 Monat bis dauerhaft.
- Anschluss für eigene Werkzeuge: Die App bringt eine Kommandozeile, eine lokale Schnittstelle mit Webhooks und einen MCP-Server mit, also eine Schnittstelle nach dem offenen Standard, über den KI-Assistenten fremde Programme ansprechen. Ein Assistent auf demselben Rechner listet darüber Meetings auf und ruft Transkripte ab, und der MCP-Server öffnet dafür keinen Netzwerkport.
Preise und Tarife
anarlog steht unter der MIT-Lizenz, du darfst es frei nutzen, ändern und kommerziell einsetzen. Die kostenlose Fassung ist funktional vollständig, solange du eigene API-Schlüssel mitbringst. Enthalten sind Transkription auf dem Rechner, Audioaufnahme, Export, Vorlagen, Kalender- und Kontaktansicht, Chat, Kommandozeile, MCP-Server und die lokale Schnittstelle mit Webhooks.
Der Pro-Tarif kostet 12,90 Euro pro Monat oder 129 Euro im Jahr und schaltet gehostete Transkription, ein gehostetes Sprachmodell, verschlüsselte Synchronisation zwischen Geräten, eine Cloud-Schnittstelle und die Anbindung an Google- und Outlook-Kalender frei, testbar über 21 Tage. Einen Team- oder Unternehmenstarif gibt es nicht. Bei der kostenlosen Fassung zahlst du nur für die eigene Hardware und für die Schlüssel der Anbieter, die du einbindest.
Für wen ist anarlog geeignet?
- Kanzleien und Notariate: Du dokumentierst Mandantengespräche, während Aufnahme und Auswertung auf dem Rechner der Kanzlei bleiben. Ohne beteiligten Dienstleister entfällt der Auftragsverarbeitungsvertrag, der bei Cloud-Mitschreibern jedes Mal fällig wird.
- Beratungen und Dienstleister mit vertraulichen Terminen: In Gesprächen, deren Inhalt nur die Beteiligten etwas angeht, behältst du mit anarlog die Kontrolle über Audio, Transkript und Aufbewahrungsdauer. Die einstellbare Löschfrist für Aufnahmen hilft, das eigene Löschkonzept auch nachzuweisen.
- Technische Teams mit lokalen Modellen: Wer lokale Modelle ohnehin betreibt, bindet anarlog ohne zusätzliche Cloud-Abhängigkeit in den bestehenden Aufbau ein. Über MCP-Server und Kommandozeile kommen die Meetingnotizen in eigene Assistenten und Skripte, etwa für die Vorbereitung wiederkehrender Termine.
DSGVO und Datenschutz
Der Quelltext steht unter MIT-Lizenz und ist damit vollständig einsehbar. Wählst du für die Spracherkennung und für die Zusammenfassung jeweils ein lokales Modell, läuft die gesamte Verarbeitung auf dem Rechner, auch ohne Netzverbindung. Beide Einstellungen sind getrennt, eine lokale Wahl bei der Transkription macht die Zusammenfassung noch nicht lokal. Im Pro-Tarif verarbeitet Fastrepl, Inc. aus den USA die hochgeladenen Daten, mit Fly.io und AWS als Unterauftragnehmern. Der Anbieter erklärt in seiner Datenschutzerklärung, dass Notizen, Transkripte und Audio nicht zum Training von Modellen verwendet werden. Die Synchronisation ist Ende-zu-Ende-verschlüsselt, der Schlüssel dafür liegt im Schlüsselbund des Rechners, und das hochgeladene Audio wird nach der Transkription wieder gelöscht. Die Nutzungsstatistik schaltest du in den Einstellungen ab. Für den Einsatz in Deutschland bleibt die Zustimmung der Teilnehmer Voraussetzung, denn das Mitschneiden des nicht öffentlich gesprochenen Wortes ist ohne Einwilligung nach § 201 StGB strafbar. Die Entwickler weisen in ihrer Dokumentation selbst darauf hin.
Alternativen zu anarlog
- Descript: Descript ist ein vollständiger Audio- und Video-Editor mit Transkriptionsfunktion und passt, wenn du Aufnahmen auch nachträglich bearbeiten willst und nicht nur im Meeting mitschreiben.
- Claude: Für die manuelle Variante lädst du das Transkript hoch und erzeugst Zusammenfassung, Aufgabenliste oder Protokoll per Prompt. Eine automatische Aufnahme gibt es nicht, dafür bist du beim Ergebnis frei.
- whisper.cpp: Wer nur die reine Transkription auf dem eigenen Rechner braucht und sie in eigene Abläufe einbauen will, fährt mit einer schlanken Whisper-Implementierung flexibler und ist nicht auf macOS festgelegt.
Wofür anarlog taugt
- MIT-Lizenz, kommerzielle Nutzung und eigene Weiterentwicklung erlaubt
- Kein zusätzlicher Teilnehmer im Meeting, die Aufnahme läuft auf dem eigenen Rechner
- Transkription auf dem Rechner, dazu freie Wahl des Sprachmodells
- MCP-Server, Kommandozeile und lokale Schnittstelle für eigene Auswertungen
- Aufbewahrungsdauer für Aufnahmen frei einstellbar
Wo es hakt
- Nur für macOS, Fassungen für Windows und Linux sind angekündigt
- Transkription ohne Cloud setzt einen Mac mit Apple-Silicon-Chip voraus
- Gehostete Funktionen im Pro-Tarif laufen über einen US-Anbieter
- Kein Team- oder Unternehmenstarif, Hilfe läuft über GitHub und Discord
Wofür es eingesetzt wird
Meeting-Protokolle automatisch erstellen · Vertrauliche Gespräche auf dem eigenen Rechner transkribieren · Transkription ohne Bot im Meeting · Meetingnotizen über MCP an eigene KI-Assistenten geben