Automatisierung
Windmill im Test
Windmill ist eine quelloffene Plattform für Abläufe, deren Bausteine Skripte in Python, TypeScript, Go, PHP, Bash oder SQL sind. Aus jedem Skript erzeugt die Plattform eine Bedienoberfläche, einen Webhook, einen API-Endpunkt und einen Zeitplan, ohne dafür eine Oberfläche zu programmieren. Das Projekt steht unter der AGPL-3.0 und hat über 17.000 GitHub-Sterne.
Stand 5. August 2026
| Preismodell | Freemium, Selbstbetrieb (Community) kostenlos / Cloud Team 8,60 €/Sitz/Monat (10 USD) / Enterprise ab 103 €/Monat (120 USD) |
|---|---|
| Betriebsort | beides möglich |
| DSGVO | im Einzelfall zu prüfen |
| Quelloffen | ja, AGPL-3.0 |
Wer Automatisierungen baut, die über einfache Wenn-Dann-Regeln hinausgehen, stößt bei visuellen Werkzeugen schnell an Grenzen, weil man Schleifen, Fehlerbehandlung und Datenumformungen dort nur umständlich zusammenklickt. Windmill dreht das um und stellt den Code an den Anfang, für Teams ohne Programmiererfahrung ist n8n die bessere Wahl. Hinter dem Projekt steht Windmill Labs, Inc. aus Dover im US-Bundesstaat Delaware, mit Standorten in San Francisco und Paris, und für den Einsatz in Deutschland entscheidet deshalb die Betriebsart. Die Arbeit am quelloffenen Kern geht täglich weiter, die aktuelle Version 1.780 stammt vom 04.08.2026.
Wichtigste Funktionen
- Sechs Programmiersprachen: Python, TypeScript, Go, PHP, Bash und SQL laufen nebeneinander im selben Arbeitsbereich. Jedes Skript deklariert seine Abhängigkeiten selbst, Windmill installiert sie automatisch. Auch Aufrufe an Web-Schnittstellen über REST und GraphQL sind möglich.
- Oberflächen ohne Programmierung: Windmill liest die Parameterliste eines Skripts und baut daraus ein Formular, über das auch Mitarbeitende ohne Programmierkenntnisse den Ablauf starten. Dashboards und interne Anwendungen baust du im App-Builder, der auf dieselben Skripte zugreift.
- Mehrstufige Abläufe: Mehrere Skripte verknüpfst du grafisch, mit Abhängigkeiten, Bedingungen und paralleler Ausführung. Das Ergebnis ist ein Graph in der Oberfläche, unter dem weiterhin normaler Code liegt.
- Zeitplanung und Auslöser: Ein Cron-Zeitplan und ein Webhook-Endpunkt gehören zu jedem Skript. Dazu kommen Auslöser aus PostgreSQL, WebSockets, MQTT und E-Mails, in der kostenlosen Fassung begrenzt auf 100 E-Mails pro Tag.
- KI-Funktionen mit eigenem Schlüssel: Windmill AI erzeugt und erklärt Skripte. Den Modellanbieter wählst du frei, von OpenAI, Anthropic und Mistral bis zu einem eigenen OpenAI-kompatiblen Endpunkt. Ab Werk ist kein Anbieter eingetragen, die Funktion bleibt abgeschaltet, bis du einen Zugang hinterlegst.
- Selbstbetrieb per Docker: Die Community Edition läuft mit Docker Compose auf einem eigenen Server, ohne Limit bei der Zahl der Ausführungen. Der mitgelieferte Zugang admin@windmill.dev mit dem Kennwort "changeme" steht offen in der Dokumentation, ändere es deshalb bei der ersten Anmeldung.
Preise und Tarife
Die Community Edition steht unter der AGPL-3.0 und kostet im Selbstbetrieb nichts, mit unbegrenzten Ausführungen, bis zu 3 Arbeitsbereichen, 50 Nutzerkonten, 10 GiB Objektspeicher und 10 Zugängen über die zentrale Anmeldung (SSO). Protokolle einzelner Läufe hält sie 30 Tage vor.
In der Cloud betreibt Windmill dieselbe Software als Dienst, dort gibt es neben dem kostenlosen Einstieg den Team-Tarif für 8,60 Euro je Sitz und Monat (10 USD), den Windmill nach tatsächlicher Nutzung abrechnet. Die Enterprise-Fassung startet bei rund 103 Euro im Monat (120 USD) und rechnet seit der Preisumstellung nach Sitzen und Recheneinheiten ab, mit 17,20 Euro je Entwicklersitz (20 USD), 8,60 Euro je Bedienersitz (10 USD) und 43 Euro je Worker, also je Ausführungsprozess mit 2 GB Arbeitsspeicher (50 USD).
Windmill selbst rechnet eine Installation mit 1 Entwickler, 2 Workern und 8 nativen Subworkern beispielhaft mit rund 146 Euro im Monat vor (170 USD). Im Selbstbetrieb kommen Server und Datenbank dazu, und wer die KI-Funktionen nutzt, zahlt die Token beim gewählten Modellanbieter. Alle Preise oben stehen ohne Umsatzsteuer, deutsche Kunden rechnen sie auf jeden dieser Beträge dazu.
Für wen ist Windmill geeignet?
- Entwickler und Plattformteams: Interne Werkzeuge, Datenpipelines oder Automatisierungen schreibst du hier in echtem Code und sparst dir einen eigenen Backend-Baukasten samt Oberfläche, Nutzerverwaltung und Zeitplanung.
- Unternehmen, die den Betrieb selbst übernehmen: Die Community Edition kostet nichts und kennt kein Ausführungslimit, ein Server in Deutschland genügt. Bei personenbezogenen Daten erspart dieser Weg die Prüfung einer Übermittlung in die USA.
- Teams mit gemischten Rollen: Entwickler schreiben die Skripte, Mitarbeitende mit Bedienerkonto starten sie über das erzeugte Formular, ohne den Code anzufassen. Solche Bedienersitze rechnet Windmill zum halben Preis ab.
DSGVO und Datenschutz
Betreiber ist Windmill Labs, Inc., und die Nutzungsbedingungen unterstellen den Vertrag dem Recht des US-Bundesstaats Delaware. Die Datenschutzerklärung sagt ausdrücklich, dass Windmill Daten in die USA überträgt und dort verarbeitet. Der Auftragsverarbeitungsvertrag liegt ohne Anmeldung im Volltext vor (Stand 23.05.2025) und nennt als Unterauftragnehmer Amazon AWS, Grafana Cloud und Cloudflare, alle 3 mit Sitz in den USA.
Für die Übermittlung schließt Windmill die EU-Standardvertragsklauseln in der Fassung für Auftragsverarbeiter ab, sagt zu, Kundendaten aus Abläufen nur für den Dienst selbst zu verwenden, und weist eine Prüfung nach SOC 2 Typ II aus. Ein europäischer Rechenort steht in keinem dieser Dokumente, und daran scheitert die gehostete Fassung für deutsche Unternehmen mit personenbezogenen Daten.
Im Selbstbetrieb laufen Datenbank und Worker auf deinen eigenen Servern, und die einzige Verbindung nach draußen ist der Modellanbieter für Windmill AI, den du selbst einträgst. In die Übergabe an die IT gehören dabei das veröffentlichte Standardkennwort "changeme" für den ersten Administrator und die Frage, welches Modell die KI-Funktionen bedient. Wer beides klärt und den Server in Deutschland oder der EU aufstellt, kann Windmill auch mit personenbezogenen Daten einsetzen. Die gehostete Fassung verlangt zusätzlich zu den Standardvertragsklauseln eine eigene Risikoabwägung zur Übermittlung in die USA.
Alternativen zu Windmill
- n8n: Visueller Baukasten für Abläufe mit einer breiten Auswahl fertiger Integrationen. Das passt besser zu Teams ohne eigene Entwickler und zu Standardverbindungen zwischen Web-Diensten.
- Temporal: Plattform für langlaufende Prozesse, die Abstürze und Ausfälle automatisch überstehen. Das Aufsetzen kostet mehr Zeit als bei Windmill, dafür ist Temporal bei unternehmenskritischen Abläufen mit viel Fehlerbehandlung stärker.
- Prefect: Steuerung für Abläufe, komplett in Python geschrieben und auf Datenpipelines ausgerichtet. Prefect deckt die Datenverarbeitung stärker ab als Windmill, bleibt dafür auf Python beschränkt.
Wofür Windmill taugt
- Python, TypeScript, Go, PHP, Bash und SQL im selben Arbeitsbereich
- Aus jedem Skript entstehen automatisch Formular, Webhook und Zeitplan
- Selbstbetrieb per Docker kostenlos und ohne Ausführungslimit (Community Edition)
- Auftragsverarbeitungsvertrag im Volltext und ohne Anmeldung abrufbar
Wo es hakt
- Setzt Programmierkenntnisse voraus, eine Bedienung ganz ohne Programmieren ist nicht vorgesehen
- Kleinere Community als n8n, entsprechend weniger fertige Integrationen und Vorlagen
- AGPL-3.0 kann bei proprietären Produkten eine rechtliche Prüfung nötig machen
- Anbieter und Cloud sitzen in den USA, ein EU-Rechenort ist nicht ausgewiesen
Wofür es eingesetzt wird
Abläufe mit Code automatisieren · Interne Werkzeuge ohne Oberflächen-Programmierung bauen · ETL-Pipelines und Datenverarbeitung · Zeitplanung und Webhook-Verwaltung für Skripte