Chat-Oberflächen
Open WebUI im Test
Open WebUI ist eine selbst-gehostete Chat-Oberfläche für KI-Modelle und hat über 147.000 GitHub-Sterne. Die Installation per Docker dauert unter 5 Minuten. Seit April 2026 gibt es zusätzlich eine native Desktop-App für Mac, Windows und Linux, die der Hersteller selbst noch als frühe Alpha führt. Open WebUI spricht lokale Modelle ebenso an wie OpenAI, Anthropic und jede OpenAI-kompatible Schnittstelle. Eingebaute RAG-Funktionen machen hochgeladene Dokumente durchsuchbar, Gruppenrechte und die Anmeldung über das Firmenverzeichnis decken den Teambetrieb ab.
Stand 4. August 2026
| Preismodell | Kostenlos, Software vollständig kostenlos, Enterprise-Lizenz für ein eigenes Erscheinungsbild nach Nutzerzahl auf Anfrage |
|---|---|
| Betriebsort | auf eigener Hardware |
| DSGVO | im Einzelfall zu prüfen |
| Quelloffen | ja, Open WebUI License (BSD-3-Clause mit Markenklausel ab 50 Nutzern) |
Ein lokales Sprachmodell läuft auf dem eigenen Server, für den Alltag im Team taugt die Bedienung über die Kommandozeile aber nicht. Open WebUI setzt eine Oberfläche davor, die aussieht wie ChatGPT. Du lädst ein Dokument hoch, die RAG-Funktion indexiert es automatisch, und du stellst im Chat Fragen zu den Inhalten, gleich ob im Hintergrund ein lokales Modell oder ein Cloud-Anbieter antwortet.
Wichtigste Funktionen
- Freie Modellwahl: Open WebUI spricht lokale Modellserver wie Ollama an, dazu die OpenAI-API, Anthropic und jede OpenAI-kompatible Schnittstelle, also auch die Endpunkte europäischer Anbieter. Du wechselst innerhalb einer Oberfläche zwischen den Modellen, auch mitten im Gespräch.
- Eingebaute RAG-Funktion: Dokumente als PDF, Word oder Text hochladen und als Wissensbasis nutzen, aus der das Modell beim Antworten die passenden Stellen heranzieht. Läuft im Hintergrund eine PostgreSQL-Datenbank mit pgvector, arbeitet die kombinierte Stichwort- und Vektorsuche seit Version 0.10 direkt in der Datenbank und damit schneller. Das Begleitprogramm oikb hält eine Wissensbasis mit insgesamt 46 Quellen synchron, darunter lokale Ordner, GitHub-Repositories und Confluence-Bereiche.
- Open Terminal als Arbeitsumgebung: Seit Version 0.10 arbeitet das Modell auf einer echten Maschine mit Dateisystem und Kommandozeile, legt also Dateien an, führt Code aus, installiert Pakete und zeigt Ergebnisse gleich in der Oberfläche an. Ob diese Umgebung in einem Docker-Container abgeriegelt bleibt oder direkten Zugriff auf den Rechner bekommt, entscheidest du beim Einrichten. Version 0.11 vom 27.07.2026 ergänzt Unteragenten, die Teilaufgaben im Hintergrund abarbeiten und ihr Ergebnis in den Chat zurückmelden.
- Automationen, Kalender und Notizen: Aufgaben laufen zeitgesteuert, etwa als tägliche Zusammenfassung oder wöchentlicher Bericht. Ein Kalender-Arbeitsbereich verwaltet Termine, Erinnerungen und die geplanten Automationen an einer Stelle. Notizen besprichst du im selben Fenster mit dem Modell, das seine Antwort auf Wunsch direkt in den Text schreibt.
- Rechte und Anmeldung im Unternehmen: Benutzerkonten, Rollen und Gruppen steuern, wer welche Modelle und welche Wissensbasen sieht. Die Anmeldung läuft über LDAP, Active Directory oder einen OpenID-Anbieter, und seit Version 0.11 übernimmt Open WebUI die Gruppenzugehörigkeit dabei jedes Mal frisch aus dem Verzeichnis. Ordner gibst du mit Lese- oder Schreibrecht an einzelne Personen oder ganze Gruppen frei.
- Erweiterbarkeit: Eigene Werkzeuge, Filter und Funktionen hinterlegst du als Python-Code. Über den Zusatzdienst mcpo bindest du MCP-Server ein, also standardisierte Anbindungen an andere Systeme, ohne den Kern anzufassen. Auf der Community-Plattform des Herstellers liegen fertige Erweiterungen und Modellkonfigurationen zum Übernehmen bereit.
Preise und Tarife
Die Software kostet nichts, privat wie gewerblich, ohne Nutzungsgrenzen oder Registrierungspflicht. Kosten entstehen erst durch den Betrieb, also durch den Server oder die Grafikkarte für lokale Modelle und die Gebühren der Anbieter, deren Schnittstellen du einbindest.
Eine Enterprise-Lizenz braucht, wer die Open-WebUI-Marke aus der Oberfläche nimmt und ein eigenes Erscheinungsbild setzt, sobald mehr als 50 Personen innerhalb von 30 Tagen Zugang haben. Dieselbe Lizenz umfasst den direkten Support des Herstellers, den Betrieb über mehrere Knoten und Installationen ohne Internetzugang. Einen Listenpreis nennt Open WebUI nicht, der Hersteller rechnet nach der Zahl der Arbeitsplätze ab und verlangt genau diese Zahl im Vertriebsformular für ein Angebot. Serverkosten, Modellgebühren und Lizenz sind Nettobeträge, die Umsatzsteuer kommt jeweils hinzu.
Für wen ist Open WebUI geeignet?
- Teams mit lokalen KI-Modellen: Läuft im Unternehmen bereits ein eigener Modellserver, bekommen alle Mitarbeitenden mit Open WebUI eine gemeinsame Oberfläche darauf, ohne Lizenzkosten je Arbeitsplatz. Die Rollen- und Gruppenverwaltung legt fest, wer welches Modell nutzen darf.
- Behörden und Kanzleien mit strengen IT-Vorgaben: Für die Anmeldung genügt das vorhandene Firmenverzeichnis, Rechte reichen bis auf einzelne Ordner hinunter. Die Installation kommt auch ganz ohne Internetzugang aus. Wohin Inhalte fließen, entscheidet danach allein die Wahl des Modells im Hintergrund.
- Technisch versierte Einzelpersonen: Ein Docker-Befehl genügt für die erste Installation, und wer auch den sparen will, nimmt die Desktop-App. Bei mehreren Anbietern parallel liegen alle Modelle in einem Fenster statt in mehreren Browser-Tabs.
DSGVO und Datenschutz
Die Anwendung läuft auf eigener Hardware, einen Mietbetrieb des Herstellers gibt es nicht, und die Docker-Fassung schaltet die Telemetrie der mitgelieferten Bausteine ab Werk aus. Die Versionsprüfung fragt trotzdem bei api.github.com nach der neuesten Fassung und überträgt dabei die IP-Adresse des Servers, abschaltbar über ENABLE_VERSION_UPDATE_CHECK=false oder den Offline-Modus.
Schwerer wiegt die Schaltfläche zum Teilen, die ab Werk sichtbar ist und den vollständigen Chatverlauf zu openwebui.com hochlädt. Diese Plattform betreibt die Open WebUI, Inc. Ihre Datenschutzerklärung nennt weder einen Verarbeitungsort noch einen Auftragsverarbeitungsvertrag und geht auf die DSGVO nicht ein, führt aber IP-Adresse, Standortdaten und Zahlungsdaten unter den erhobenen Angaben. Mit ENABLE_COMMUNITY_SHARING=false verschwindet die Schaltfläche aus der Oberfläche.
Wie das Gesamtsystem datenschutzrechtlich dasteht, hängt am eingebundenen Modell. Mit lokalen Modellen bleibt die gesamte Verarbeitung auf eurer eigenen Hardware. Bindest du OpenAI oder Anthropic ein, gelten deren Bedingungen, während ein europäischer Anbieter wie Scaleway oder IONOS die Verarbeitung im EU-Rechtsraum hält.
Das grüne Abzeichen bekommt der Eintrag seit August 2026 trotzdem nicht mehr, weil eine voreingestellte Freigabe an eine US-Plattform ohne Vertrag und benannten Verarbeitungsort für eine belegte Konformität nicht reicht. Wer die beiden genannten Schalter umlegt und ein Modell im eigenen Rechenzentrum anbindet, erfüllt die DSGVO-Anforderungen, muss diese Einstellungen aber selbst vornehmen.
Alternativen zu Open WebUI
- LibreChat: Die nächstliegende selbst gehostete Alternative, ebenfalls mit Rechteverwaltung und RAG. Eine Arbeitsumgebung für Agenten fehlt, dafür steht das Projekt unter MIT-Lizenz ohne Markenklausel.
- AnythingLLM: Ähnliches Konzept, legt den Schwerpunkt aber auf RAG und Dokumentenverarbeitung und ist in der Ersteinrichtung einsteigerfreundlicher.
- Dify: Deckt ab, was über das Chatten hinausgeht, also Abläufe und Agenten in einem grafischen Baukasten.
Wofür Open WebUI taugt
- Über 147.000 GitHub-Sterne, neue Hauptversionen im Monatstakt
- Eingebaute RAG-Funktion mit automatischer Dokumentenindexierung
- Docker-Installation in unter 5 Minuten
- Rollen, Gruppenrechte, Anmeldung über LDAP und Active Directory sowie Protokollierung für den Teambetrieb
Wo es hakt
- Kein grafischer Baukasten für Abläufe, dafür sind eigenständige Werkzeuge wie n8n oder Dify besser geeignet
- Betrieb auf dem eigenen Server erfordert grundlegendes technisches Wissen
- Ein eigenes Erscheinungsbild statt der Open-WebUI-Marke verlangt ab 50 Nutzern eine kostenpflichtige Enterprise-Lizenz
Wofür es eingesetzt wird
Chat-Oberfläche für lokale KI-Modelle · RAG mit eigenen Dokumenten · Team-Chat mit Rollenverwaltung · Mehrere KI-Anbieter über einen Zugang