LibreChat: KI-Tool Test & Bewertung
LibreChat ist eine selbst gehostete Open-Source-Plattform für KI-Chat mit Anmeldung über OAuth2, Entra ID, SAML, LDAP und SCIM ab Werk. Dazu kommen ein Baukasten für eigene Agenten ohne Programmierung, eine Wissensbasis aus eigenen Dokumenten, Artefakte im Chat und ein Gedächtnis über Gespräche hinweg. Seit November 2025 gehört das Projekt zu ClickHouse, die MIT-Lizenz gilt weiter.
Zuletzt aktualisiert: 4. August 2026
Wer KI-Chat im Unternehmen einführt, steht schnell vor der Frage, wie er Anmeldung, Rechte und Protokollierung an die vorhandene IT anbindet. LibreChat holt die Konten aus dem Firmenverzeichnis, in dem sie ohnehin liegen. Version 0.8.7 vom Juni 2026 brachte Ordner für Gespräche, eine Verbrauchsanzeige mit Tokenzahl und Kosten sowie eine Admin-Oberfläche, die im Standard-Container mitläuft. Das Repository zählt über 41.000 Sterne, weniger als Open WebUI, dafür ist die Zugriffssteuerung feiner abgestuft, vom Rollenabgleich aus OpenID bis zum Protokoll darüber, wer welche Rechte bekommen und wieder verloren hat.
Wichtigste Funktionen
- Anmeldung über das Firmenverzeichnis: OAuth2, Entra ID (früher Azure Active Directory), SAML, LDAP und Zwei-Faktor-Anmeldung sind ohne Zusatzmodul einsatzbereit, dazu SCIM für den automatischen Abgleich der Nutzerkonten aus dem Verzeichnis. Rollen aus OpenID übernimmt LibreChat, und seit Version 0.8.7 protokolliert die Plattform, wer wem wann welche Systemrechte gegeben oder entzogen hat.
- Anbieter frei wählbar: OpenAI, Anthropic, Azure OpenAI, AWS Bedrock, Google Gemini und Mistral laufen parallel in einer Oberfläche. Über einen eigenen Endpunkt kommt jede OpenAI-kompatible Schnittstelle dazu, also auch ein europäischer Hoster oder ein lokales Modell auf Ihrer Hardware.
- Agenten ohne Programmierung: Fachabteilungen richten eigene Assistenten mit Systemanweisung, Werkzeugen und Dateizugriff ein. Skills bündeln wiederverwendbare Anweisungen und Skripte, Agenten geben Teilaufgaben an Subagenten ab. Seit Version 0.8.7 schreiben Agenten mit entsprechender Berechtigung neue Skills selbst und gleichen sie mit einem GitHub-Repository ab.
- Model Context Protocol (MCP): Über diesen offenen Standard binden Sie externe Werkzeuge, Schnittstellen und Datenquellen an den Chat an. Damit der Speicherbedarf niedrig bleibt, lädt LibreChat ein Werkzeug erst, wenn ein Agent es anfordert. Beim Zugriff auf ein angebundenes System reicht die Plattform die Identität des angemeldeten Nutzers weiter, statt einen Sammelzugang zu verwenden.
- Artefakte und Code Interpreter: React-Komponenten, HTML-Seiten und Ablaufdiagramme im Mermaid-Format entstehen direkt im Chat, dazu DOCX-, CSV-, XLSX- und PPTX-Dateien. Die Codeausführung läuft in einer abgeschotteten Sandbox ohne Netzzugang, die seit Juni 2026 unter Apache-2.0 quelloffen ist.
- Verbrauch im Blick: Eine Anzeige am Gespräch zeigt, wie voll das Kontextfenster ist, wie viele Tokens bisher angefallen sind und was sie kosten. Gespräche sortieren Sie in Projekte ein und heften wichtige Verläufe an.
Preise und Tarife
LibreChat steht unter MIT-Lizenz und kostet nichts, auch im kommerziellen Einsatz nicht. Kosten entstehen für den Server und die angebundenen Sprachmodelle.
Zum Standard-Container gehören neben der Anwendung selbst MongoDB, Meilisearch für die Suche und eine PostgreSQL-Datenbank mit der Erweiterung pgvector für die Dokumentensuche, seit Version 0.8.7 dazu die Admin-Oberfläche. Der Speicherbedarf liegt damit höher als bei einer Anwendung aus einem einzelnen Container.
Bis Juni 2026 war der Code Interpreter ein kostenpflichtiges Abonnement bei LibreChat, dessen Erlös in die Entwicklung floss. Seit Version 0.8.7 ist dieser Sandbox-Dienst quelloffen, und wer ihn selbst aufsetzt, zahlt dafür nur seine eigene Rechenzeit. Für LibreChat selbst fällt kein Betrag an. Was Server und Sprachmodelle kosten, rechnen die jeweiligen Anbieter netto ab, die Umsatzsteuer kommt hinzu.
Für wen ist LibreChat geeignet?
- Unternehmen und Behörden mit eigener Nutzerverwaltung: Wer Konten aus Entra ID, SAML oder LDAP übernimmt und belegen muss, wer welche Rechte hat, findet unter den freien Oberflächen wenig Vergleichbares. Das Protokoll über zugewiesene und entzogene Rechte hilft bei der Antwort an die Datenschutzbeauftragte.
- Teams mit mehreren Sprachmodellen: Claude für Analysen, ein europäisches Modell für Kundendaten und ein lokales Modell für Vertrauliches laufen in derselben Oberfläche, mit sichtbaren Kosten je Gespräch. Der Anbieterwechsel kostet einen Klick.
- IT-Abteilungen mit Betriebserfahrung: Betreiben Sie Docker, MongoDB und PostgreSQL ohnehin, bekommen Sie eine Plattform auf dem Funktionsstand kommerzieller Anbieter. Ohne Administrator ist Open WebUI die pragmatischere Wahl, weil dort weniger Dienste mitlaufen.
DSGVO und Datenschutz
LibreChat läuft auf Ihren eigenen Servern. Gesprächsverläufe, Dateien und Nutzerkonten liegen in der Datenbank dieser Installation, und die Standardkonfiguration ruft von sich aus keinen externen Dienst auf. Die Statistik der Suchmaschine Meilisearch ist ab Werk abgeschaltet, Google Tag Manager binden Sie nur ein, wenn Sie ihn brauchen, und die Ablaufverfolgung über OpenTelemetry schalten Sie selbst ein, auf einen Empfänger Ihrer Wahl.
Bis Juni 2026 lief der Code Interpreter als kostenpflichtiger Dienst bei LibreChat und bekam den auszuführenden Code zu sehen. Seit Version 0.8.7 ist diese Sandbox unter Apache-2.0 quelloffen und läuft auf Ihrer eigenen Hardware.
Was tatsächlich hinausgeht, entscheidet der angebundene Endpunkt. Mit OpenAI, Anthropic oder AWS Bedrock gehen die Inhalte in die USA, dort gelten die Bedingungen des jeweiligen Anbieters und Sie brauchen mit ihm einen Auftragsverarbeitungsvertrag. Ein europäischer Hoster, Mistral oder ein lokales Modell halten die Verarbeitung in der EU. Nachrichten filtert LibreChat auf Wunsch vorher auf Zeichenketten, die wie Zugangsdaten aussehen.
Seit dem 4. November 2025 gehört das Projekt zu ClickHouse, einem US-Unternehmen. An den Datenwegen einer selbst betriebenen Installation ändert das nichts, und die MIT-Lizenz erlaubt weiterhin jede Anpassung für den eigenen Gebrauch. DSGVO-konform betreiben Sie LibreChat, wenn der Server in der EU steht und das angebundene Modell aus der EU kommt oder auf Ihrer Hardware rechnet. Die Verantwortung für diese Wahl liegt bei Ihnen als Betreiber.
Alternativen zu LibreChat
- Open WebUI: Schneller eingerichtet, weil weniger Dienste mitlaufen. Gute Wahl für Teams ohne eigenen Administrator, dafür mit weniger Stellschrauben bei Nutzerverwaltung und Zugriffsrechten.
- Langdock: Kommerzielle Alternative aus Deutschland, die Sie nicht selbst aufsetzen müssen, mit Servern in Frankfurt, ISO 27001 und SOC 2 Type II. Passend für Unternehmen ohne eigene IT-Abteilung.
- AnythingLLM: Stärker auf den Chat mit eigenen Dokumenten zugeschnitten und schneller startklar, dafür ohne die Tiefe von LibreChat bei Anmeldung und Rechten.
Vorteile
- Anmeldung über OAuth2, Entra ID, SAML, LDAP und SCIM ohne Zusatzmodul
- OpenAI, Anthropic, Azure OpenAI, AWS Bedrock, Mistral und jede OpenAI-kompatible Schnittstelle parallel nutzbar
- Agenten-Baukasten mit Skills, Subagenten und MCP-Anbindung
- Code Interpreter seit Juni 2026 quelloffen und selbst hostbar
Nachteile
- Aufwändigerer Betrieb als bei Alternativen, weil MongoDB, PostgreSQL und Meilisearch dazugehören
- Kleinere Gemeinschaft als Open WebUI, über 41.000 Sterne auf GitHub gegenüber über 147.000
- Einrichtung und Konfiguration verlangen Administrationswissen