Hosting & Cloud
Infomaniak AI Tools im Test
Infomaniak ist ein Schweizer Cloud-Anbieter mit eigenen Rechenzentren in Genf und Zürich, seit über 30 Jahren am Markt und mit einer gemeinnützigen Stiftung als Hauptaktionärin. Unter dem Namen AI Services laufen dort offene Sprachmodelle, Whisper für Transkription sowie Bild- und Embedding-Modelle über eine OpenAI-kompatible Schnittstelle, abgerechnet nach Verbrauch. Den Auftragsverarbeitungsvertrag erzeugt jede Organisation im Kundenbereich selbst als PDF.
Stand 3. August 2026
| Preismodell | Freemium, 1 Mio. Credits einen Monat lang gratis, danach nach Verbrauch ab rund 0,05 Euro pro 1 Mio. Eingabe-Tokens |
|---|---|
| Betriebsort | Cloud |
| DSGVO | ohne weitere Auflagen einsetzbar |
| Quelloffen | nein |
OpenAI, Anthropic und Google sind US-Konzerne, ihre Sprachmodell-APIs laufen standardmäßig auf US-Infrastruktur. Infomaniak nimmt dieselben API-Aufrufe entgegen, rechnet sie aber auf eigenen Servern in Genf und Zürich. Bestehender Code läuft nach dem Tausch von Adresse und Schlüssel weiter. Das Angebot heißt inzwischen AI Services, die frühere Web-Adresse mit ai-tools leitet darauf weiter.
Wichtigste Funktionen
- OpenAI-kompatible API: In vorhandenem Code mit der OpenAI-Bibliothek tauschst du die Adresse des Dienstes und den Schlüssel aus. Anfragen, Streaming und die üblichen Parameter funktionieren danach unverändert. Der Wechsel kostet damit kaum Aufwand.
- Offene Modelle in mehreren Größen: Die kleinen Modelle NVIDIA Nemotron-3-Nano und Ministral 3 decken einfache Aufgaben ab, in der Mitte liegen Gemma 4 und Mistral Small 4. Die Spitze bilden Kimi K2.6 sowie Qwen3.5 in den Varianten mit 122 und 397 Mrd. Parametern. Dazu kommt Apertus v1.5-70B, ein Schweizer Modell mit offengelegten Trainingsdaten.
- Audio, Bilder und Suche: Whisper V3 wandelt Audio in Text um, die Bildmodelle Flux schnell und Photomaker V2 erzeugen Bilder. Für die semantische Suche, also die Suche nach Bedeutung statt nach exakten Wörtern, stehen Embedding- und Reranker-Modelle bereit. Alles läuft über ein Konto, ein zweiter Vertrag ist nicht nötig.
- Function Calling und MCP: Die Modelle rufen eigene Werkzeuge auf, etwa eine Datenbankabfrage oder einen internen Dienst. MCP ist ein offener Standard, über den Sprachmodelle solche Werkzeuge ansprechen. Vorhandene MCP-Anbindungen nutzt du hier weiter.
- Weboberfläche neben der API: Ohne eigene Anwendung arbeitest du direkt in der Weboberfläche, mit eigenen Assistenten, Transkription und Bildgenerierung. Ein Ausgabenlimit im Kundenbereich deckelt die Monatsrechnung. Für den reinen Chat gibt es zusätzlich den Assistenten Euria, der auf denselben Schweizer Servern läuft.
Preise und Tarife
Neue Konten bekommen 1 Million Credits, die einen Monat lang zum Ausprobieren reichen. Danach zahlst du nach Verbrauch. Infomaniak nennt die Preise in Schweizer Franken, und weil der Franken über dem Euro steht, liegen die Euro-Beträge rund 7 % höher als die Zahlen auf der Preisseite. Alle folgenden Euro-Angaben sind gerundete Umrechnungen zum Referenzkurs vom 03.08.2026.
Am günstigsten ist NVIDIA Nemotron-3-Nano mit 0,05 Euro Eingabe und 0,21 Euro Ausgabe je 1 Mio. Tokens (0,05 und 0,20 CHF). Gemma 4 kostet 0,21 Euro Eingabe und 0,43 Euro Ausgabe, Mistral Small 4 entsprechend 0,21 und 0,80 Euro. Kimi K2.6 liegt bei 0,64 Euro Eingabe und 3,22 Euro Ausgabe, das größte Modell Qwen3.5-397B bei 0,86 und 3,86 Euro (0,80 und 3,60 CHF).
Bei Whisper zählt die Generierungszeit, mit 0,006 CHF pro Minute bleibt der Preis unter einem Cent. Die beiden Bildmodelle kosten 0,30 CHF pro Minute Generierungszeit, also 0,32 Euro.
Für die Nutzung der API musst du eine Kreditkarte hinterlegen. Ein Ausgabenlimit setzt du im Kundenbereich. Infomaniak weist alle Preise ausdrücklich ohne Mehrwertsteuer aus, die Umsatzsteuer kommt auf jeden genannten Betrag also noch hinzu.
Für wen ist Infomaniak geeignet?
- Kanzleien, Praxen und Behörden: Für Mandanten- oder Patientendaten, die nicht an einen US-Anbieter gehen dürfen, findet die Verarbeitung vollständig in Genf und Zürich statt. Den Auftragsverarbeitungsvertrag erzeugst du selbst.
- Unternehmen mit bestehenden Automatisierungen: Die OpenAI-kompatible API trägst du in n8n oder AnythingLLM als Endpunkt ein. Die Abläufe bleiben, wie sie sind, nur die Anfragen gehen an einen anderen Server.
- Teams, die KI erstmals ausprobieren: 1 Million Credits reichen für einen Monat Tests, und über die Weboberfläche braucht es dafür keine eigene Entwicklung. Vor der ersten Rechnung siehst du damit, ob überhaupt ein Budget nötig wird.
DSGVO und Datenschutz
Infomaniak verarbeitet die Anfragen in eigenen Rechenzentren in Genf und Zürich und verpflichtet sich, Kundendaten dort zu belassen. Die Schweiz ist rechtlich ein Drittland, für die Übermittlung gilt aber der Angemessenheitsbeschluss der EU-Kommission, den diese am 15.01.2024 bei der Prüfung ihrer 11 älteren Beschlüsse ausdrücklich bestätigt hat. Personenbezogene Daten dürfen deshalb ohne Standardvertragsklauseln dorthin fließen, also ohne die Zusatzverträge, die bei einem US-Anbieter fällig wären.
Den Auftragsverarbeitungsvertrag erzeugen Eigentümer und Administratoren einer Organisation im Kundenbereich, dem Infomaniak Manager, als personalisiertes PDF. Die eingegebenen Texte speichert Infomaniak nach eigener Aussage nicht und nutzt sie weder für das Training der Modelle noch zur Verbesserung der eigenen Dienste. Das Informationssicherheits-Managementsystem ist nach ISO 27001 zertifiziert, ein Datenschutzbeauftragter ist benannt und unter dpo@infomaniak.com erreichbar.
Eine US-Muttergesellschaft gibt es nicht, Hauptaktionärin ist eine gemeinnützige Stiftung. Damit greift auch der Cloud Act der USA nicht, der amerikanische Konzerne zur Herausgabe von Daten aus ihren Auslandsniederlassungen verpflichtet.
Für den Einsatz in Kanzleien, Praxen und Behörden reicht das, weil Serverstandort, Auftragsverarbeitungsvertrag und Ausschluss der Trainingsnutzung jeweils belegt sind. Ein Restrisiko liegt in der Rechtsgrundlage selbst, denn die EU-Kommission überprüft Angemessenheitsbeschlüsse regelmäßig und kann sie ändern. Für Anbieter mit Rechenzentrum innerhalb der EU entfällt diese Abhängigkeit.
Alternativen zu Infomaniak AI Tools
- IONOS AI Model Hub: IONOS betreibt offene Modelle im deutschen Rechenzentrum und ist ebenfalls OpenAI-kompatibel. Die Drittland-Frage stellt sich dort nicht.
- Scaleway: Der französische Anbieter betreibt die Modelle in Paris, ist nach ISO 27001 zertifiziert und sagt zu, übermittelte Inhalte gar nicht erst zu speichern. Wer innerhalb der EU bleiben muss, findet hier den nächstliegenden Vergleich.
- Mittwald: Das deutsche KI-Hosting aus Espelkamp verkauft monatliche Token-Kontingente ab 9 Euro statt einzelner Anfragen. Bei gleichmäßiger Last ist die Rechnung damit gut kalkulierbar.
Wofür Infomaniak AI Tools taugt
- Rechenzentren ausschließlich in Genf und Zürich, kein Zugriff nach dem Cloud Act der USA
- OpenAI-kompatible API, für den Wechsel genügen neue Adresse und neuer Schlüssel
- Günstigstes Modell ab rund 0,05 Euro Eingabe je 1 Mio. Tokens
- Auftragsverarbeitungsvertrag als PDF im Kundenbereich selbst erzeugbar
- Neben Text auch Whisper, Bildmodelle sowie Embeddings und Reranker
Wo es hakt
- Kein Zugang zu proprietären Modellen wie GPT-5 oder Claude
- Kleineres Modellangebot als OpenRouter oder vergleichbare Plattformen
- Für die API-Nutzung ist eine Kreditkarte Pflicht
- Die Schweiz liegt außerhalb der EU, die Übermittlung stützt sich auf den Angemessenheitsbeschluss der EU-Kommission
Wofür es eingesetzt wird
DSGVO-konforme KI-API für Anwendungen und Chatbots · Textgenerierung mit offenen Modellen auf Schweizer Servern · Sprache zu Text mit Whisper · Semantische Suche mit Embedding- und Reranker-Modellen