STACKIT: KI-Tool Test & Bewertung
STACKIT ist die Cloud-Sparte von Schwarz Digits, der IT-Division des Konzerns hinter Lidl und Kaufland. Der Anbieter betreibt konzerneigene Rechenzentren in Deutschland und Österreich und stellt darin eine OpenAI-kompatible Inferenz-API für offene Modelle sowie GPU-Server für den Eigenbetrieb bereit. Für Behörden und regulierte Branchen ist damit schriftlich belegbar, wo die Daten verarbeitet werden.
Zuletzt aktualisiert: 4. August 2026
Bei einer KI-Vergabe in einer Behörde oder Klinik kommt früh die Frage auf, wer im Ernstfall auf die Daten zugreifen kann. STACKIT beantwortet sie über die Eigentümerstruktur. Betreiber ist die Schwarz Digits Cloud GmbH & Co. KG in Bad Friedrichshall, deren Konzern keine US-Muttergesellschaft hat und nicht börsennotiert ist. Die Europäische Kommission hat STACKIT im April 2026 als einen von 4 europäischen Anbietern für die Cloud-Infrastruktur der EU-Institutionen ausgewählt, das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung im Mai 2026 als Infrastruktur-Grundlage seiner KI-Plattform.
Wichtigste Funktionen
- AI Model Serving: Die OpenAI-kompatible Inferenz-API führt derzeit 9 Modelle, darunter Qwen3.6 27B mit einem Kontextfenster von 262K Token, Gemma 4 31B, GPT-OSS 120B und Qwen3-VL 235B, das auch Bilder liest. Bestehende Anwendungen binden Sie über eine geänderte Basis-URL an, der übrige Code bleibt unverändert.
- GPU Compute Engine: Die virtuellen Maschinen haben 1-4 NVIDIA-Karten der Typen L40S, A100 mit 80 GB oder H100 NVL mit 94 GB, dazu gibt es eine Maschine mit 8 HGX-H100. Fehlt ein Modell im Katalog der API, mieten Sie die Hardware dafür in einem deutschen Rechenzentrum.
- Keine Auswertung der Anfragen: Der Leistungsschein hält fest, dass STACKIT außer Abrechnungsdaten keine Kundendaten erhebt oder auswertet und von den Anfragen kein Backup anlegt. Eingaben fließen nicht ins Modelltraining.
- Konzerneigene Rechenzentren: Die 3 Standorte in Deutschland und Österreich gehören dem Konzern selbst. Das verkürzt die Kette der beteiligten Dritten und macht die Datenschutz-Dokumentation einfacher.
- MLflow als verwalteter Dienst: AI Model Experiments läuft seit 2026 in der Beta-Phase und protokolliert Trainingsläufe, Prompt-Stände und Modellkennzahlen, damit Sie KI-Entscheidungen später nachvollziehen können, etwa gegenüber einer Prüfung nach der EU-KI-Verordnung. Daneben stehen Objektspeicher, Kubernetes, Datenbanken und Netzwerkdienste in derselben Umgebung.
Preise und Tarife
Das AI Model Serving rechnet je Million Token ab, getrennt nach Eingabe und Ausgabe, gestaffelt nach Modellgröße. In der Standardstufe mit GPT-OSS 20B kostet die Million Eingabe-Token 0,15 Euro und die Million Ausgabe-Token 0,25 Euro. Die Plus-Stufe mit Gemma 4, Llama 3.3 70B und GPT-OSS 120B liegt bei 0,45 und 0,65 Euro, die Premium-Stufe mit Qwen3-VL 235B bei 1,50 und 1,75 Euro. Einbettungen für die Suche kosten 0,02 Euro je Million Token, das multimodale Einbettungsmodell 0,08 Euro, und eine Mindestabnahme gibt es nicht.
Die GPU-Server stehen mit Stundenpreisen in derselben öffentlichen Preisliste, von 1,74 Euro für eine Maschine mit einer L40S über 2,66 Euro für eine A100 und 8,04 Euro für eine H100 NVL bis zu 64,33 Euro für den Typ mit 8 HGX-H100. Einen kostenlosen Testzugang zum AI Model Serving gibt es auf Antrag, STACKIT prüft jede Anmeldung von Hand und der Zugang endet nach 30 Tagen. Alle genannten Beträge stammen aus der Preisliste vom 04.08.2026 und sind Nettopreise, auf die STACKIT die Umsatzsteuer aufschlägt.
Für wen ist STACKIT geeignet?
- Behörden und öffentliche Auftraggeber: Die Zuschläge der EU-Kommission und des Bundesdigitalministeriums können Sie in einer eigenen Vergabe als Referenz anführen, und die KI-Dienste selbst sind vom BSI nach C5 testiert. Wo Sie einen Zugriff aus Drittstaaten ausschließen müssen, ist das ein belastbarer Ausgangspunkt.
- Kliniken, Versicherer und andere regulierte Branchen: Für Gesundheits- und Personendaten zählt, dass nur wenige Dritte beteiligt sind und die Verarbeitung US-Recht nicht berührt. Der Auftragsverarbeitungsvertrag samt Liste der Unterauftragnehmer liegt öffentlich vor, Sie können ihn einer Datenschutzbeauftragten vor der ersten Anfrage vorlegen.
- Unternehmen mit gemischtem KI-Betrieb: Wer einen Teil der Arbeit über eine fertige API abwickelt und daneben ein eigenes Modell auf gemieteten GPU-Servern betreiben will, bekommt beides vom selben Anbieter unter einem Vertrag.
DSGVO und Datenschutz
Vertragspartner ist die Schwarz Digits Cloud GmbH & Co. KG, Am Campus 1 in Bad Friedrichshall. Der Auftragsverarbeitungsvertrag nach Artikel 28 DSGVO liegt in der Fassung 2.4.2 ohne Anmeldung als PDF auf der Vertragsseite stackit.com/de/agb/cloud-services, zusammen mit den technischen und organisatorischen Maßnahmen. Er legt die Verarbeitung auf die EU und den Europäischen Wirtschaftsraum fest, und die Liste der weiteren Auftragsverarbeiter in Anlage 2 nennt nur Gesellschaften in Deutschland, den Niederlanden, Spanien, Bulgarien und Rumänien. Die Inferenz läuft in der Region Germany South.
Eingaben nutzt STACKIT nicht zum Training und speichert sie nach dem Leistungsschein auch nicht dauerhaft. E-Mail-Adresse und Nutzerkennung stehen 30 Tage in den Protokolldateien des Dienstes. Selbst betreiben können Sie die Plattform nicht, sie ist ein reines Cloud-Angebot. Eigene Modelle ohne geteilte Instanz laufen dafür auf den GPU-Servern im selben Rechenzentrum.
Das AI Model Serving steht in der Produktliste des BSI-C5-Typ-2-Testats. Hinzu kommen ISO 27001, ISO 27017 für Cloud-Sicherheit und ISO 27018 für personenbezogene Daten. Ein weiteres ISO-27001-Zertifikat auf Basis von IT-Grundschutz gilt nur für die Infrastrukturdienste, die KI-Dienste deckt es nicht ab.
Weil hinter dem Anbieter kein US-Konzern steht, greift der CLOUD Act nicht. Über dieses US-Gesetz können Behörden in den USA auf Daten zugreifen, die ein amerikanischer Anbieter verwaltet, auch wenn sie in Europa liegen. Für Vergaben und Datenschutzprüfungen liegen damit die nötigen Belege vor, vom Auftragsverarbeitungsvertrag über die Unterauftragnehmerliste bis zum C5-Testat.
Alternativen zu STACKIT
- IONOS AI Model Hub: Auch IONOS betreibt sein Rechenzentrum in Deutschland und hat eine Vektor-Datenbank für die Suche in eigenen Dokumenten eingebaut. Beim Verarbeitungsort ist das Niveau ähnlich, der Modellkatalog fällt etwas anders aus.
- T-Systems AI Foundation Services: Die KI-Plattform der Deutschen Telekom hat zusätzlich GLM 5.2 und proprietäre Modelle wie GPT und Claude in europäischer Umgebung. Der Einstiegspreis liegt höher, dafür ist das Modellangebot breiter.
- Scaleway: Der französische Anbieter hat stärkere offene Modelle im Katalog, darunter GLM 5.2, und gibt ein Startguthaben von 1 Mio. Token. Sein Katalog wechselt allerdings häufiger, 2026 sind mehrere Modelle weggefallen.
Vorteile
- Rechenzentren nur in Deutschland und Österreich, deutscher Konzern ohne US-Mutter
- STACKIT wertet die Anfragen laut Leistungsschein nicht aus und nutzt sie nicht zum Training
- BSI-C5-Typ-2-Testat schließt das AI Model Serving ein, dazu ISO 27001, 27017 und 27018
- Auftragsverarbeitungsvertrag und vollständige Preisliste ohne Anmeldung abrufbar
Nachteile
- Kuratierter Katalog mit 9 Modellen, GLM 5.2, Kimi und DeepSeek fehlen
- Nur geteilte Modellinstanzen, eigene Modelle laufen erst auf den GPU-Servern
- STACKIT gibt den kostenlosen Testzugang von Hand frei, nach 30 Tagen endet er