TensorX: KI-Tool Test & Bewertung
TensorX ist eine junge irische Inferenz-Plattform, die offene Sprachmodelle auf eigenen NVIDIA-Blackwell-Karten in Dublin und Helsinki rechnen lässt. Der Anbieter sagt zu, Anfragen und Antworten weder zu speichern noch zu protokollieren, und stellt dazu einen frei einsehbaren Auftragsverarbeitungsvertrag bereit. Wer konstante Last hat, kann statt der Abrechnung pro Token einen physisch getrennten GPU-Cluster mit 99,9 % zugesagter Verfügbarkeit buchen.
Zuletzt aktualisiert: 5. August 2026
Hinter TensorX steht eine irische Gesellschaft, unter der Nummer 796387 am 01.09.2025 in Dublin eingetragen und im Mai 2026 umbenannt. Alleingesellschafterin ist Darius Fund Ventures, die Beteiligungsgesellschaft des Gründers Shane Morton, der die Finanzierungsrunde über 8 Mio. Euro im Juni 2026 damit selbst angeführt hat. Die NVIDIA-Blackwell-Karten, auf denen die Modelle rechnen, gehören TensorX selbst, angemietet ist nur die Rechenzentrumsfläche bei Digital Realty in Dublin und bei Verda in Helsinki. TensorX wirbt bei Finanzdienstleistern, Kanzleien und im Gesundheitswesen, also dort, wo der Verarbeitungsort schriftlich nachweisbar sein muss.
Wichtigste Funktionen
- Inferenz auf eigenen GPUs in der EU: Die Modelle rechnen auf NVIDIA-Blackwell-Karten in Dublin und Helsinki. Beide Standorte liegen in der EU, eine Übermittlung in ein Drittland außerhalb der EU nach Artikel 44 DSGVO fällt für die Inferenz damit nicht an.
- Verarbeitung ohne Speicherung: Anfragen und Antworten laufen nach Herstellerangabe durch flüchtige Rechenbereiche, TensorX speichert und protokolliert sie nicht. Fürs Training verwendet der Anbieter sie ebenfalls nicht. Für die Abrechnung bleiben Token-Zähler und Zugriffsprotokolle bis zu 12 Monate liegen, die Inhalte selbst nicht.
- OpenAI-kompatible API: Der Endpunkt
api.tensorx.ai/v1spricht dieselbe Schnittstelle wie die OpenAI-API, für Claude Code steht unterapi.tensorx.aizusätzlich die Anthropic-Schnittstelle bereit. Bestehende Anwendungen wechseln über Basis-URL und Schlüssel. - 20 buchbare Modelle: Im Katalog stehen Kimi K3, GLM 5.2, DeepSeek V4 Pro und Flash, MiniMax M3, mehrere Qwen-3.5-Größen und ein Einbettungsmodell für Suche und RAG, also für Antworten aus den eigenen Dokumenten. Die stärksten Modelle arbeiten mit 1 Mio. Token Kontext.
- Dedizierte Cluster mit Verfügbarkeitszusage: Neben der Abrechnung pro Token vermietet TensorX physisch getrennte GPU-Cluster zum Monatsfestpreis. Für die geteilte API sind 99,5 % Verfügbarkeit zugesagt, für dedizierte Cluster 99,9 %, bei Unterschreitung gibt es Gutschriften von 10-50 % der Monatsgebühr.
Preise und Tarife
TensorX rechnet pro Token ab, ohne Grundgebühr und ohne Mindestabnahme. Die Liste ist in US-Dollar geführt. Umgerechnet zum Kurs 0,86 kostet DeepSeek V4 Flash 0,13 Euro je Million Token Eingabe und 0,26 Euro Ausgabe, GLM 5.2 liegt bei 1,29 und 3,87 Euro, Kimi K2.7 Code bei 1,08 und 3,87 Euro und DeepSeek V4 Pro bei 1,51 und 3,01 Euro. Die Spanne reicht von Qwen3 235B mit 0,06 Euro Eingabe und 0,40 Euro Ausgabe bis zum neuen Kimi K3, das mit 2,58 und 12,90 Euro deutlich darüber liegt.
Das Einbettungsmodell Qwen3 Embedding 8B kostet 0,02 Euro je Million Token. Wer denselben Prompt wiederverwendet, zahlt für die zwischengespeicherte Eingabe ein Viertel des normalen Satzes, bei GLM 5.2 also 0,33 statt 1,29 Euro. Ein kostenloses Kontingent zum Ausprobieren gibt es nicht.
Dedizierte Cluster und eine günstigere geteilte Variante rechnet TensorX zum Monatsfestpreis ab und nennt die Konditionen nur auf Anfrage. Die umgerechneten Euro-Beträge oben verstehen sich netto, die deutsche Umsatzsteuer schlägt auf der Rechnung noch auf.
Für wen ist TensorX geeignet?
- Kanzleien, Praxen und Finanzdienstleister: Das Berufsgeheimnis verlangt einen benennbaren Verarbeitungsort und einen Vertrag, den die Datenschutzbeauftragte vorab lesen kann. TensorX nennt Dublin und Helsinki namentlich und legt den Auftragsverarbeitungsvertrag samt Unterauftragnehmern offen ins Netz.
- Entwicklerteams mit bestehender OpenAI- oder Anthropic-Anbindung: Eine Anwendung, die schon gegen eine dieser Schnittstellen gebaut ist, braucht nur eine andere Basis-URL und einen neuen Schlüssel. Die Verarbeitung liegt danach in der EU, am Code ändert sich nichts.
- Unternehmen mit gleichmäßig hoher Last: Ein dedizierter Cluster zum Festpreis ist planbarer als die Abrechnung pro Token, und die Verfügbarkeitszusage steigt von 99,5 auf 99,9 %.
DSGVO und Datenschutz
Vertragspartner ist die TensorX Ltd. im Dundrum Business Park in Dublin 14, Firmennummer 796387, eine Gesellschaft nach irischem Recht ohne US-Muttergesellschaft. Der Auftragsverarbeitungsvertrag liegt im Volltext unter tensorx.ai/dpa und ist ohne Konto und ohne Anfrageformular lesbar, Stand Juli 2026. Er bindet die Verarbeitung an Dublin und Helsinki und hält fest, dass weder Anfragen noch Antworten gespeichert oder protokolliert werden; fürs Training nutzt TensorX sie nach dem Vertrag ebenfalls nicht. Die Unterauftragnehmer stehen namentlich in derselben Datei.
Die Rechenzentrumsfläche stellen Digital Realty in Dublin und Verda in Helsinki, beide in der EU. Zahlung, Support, E-Mail-Versand und Kundenverwaltung laufen dagegen über Stripe, Intercom, Resend und Attio, also über Anbieter mit Sitz oder Konzernmutter in den USA. Anfragen und Antworten gehen dorthin nicht, Stamm- und Kontaktdaten schon, abgesichert über EU-Standardvertragsklauseln.
Eine ISO-27001-Zertifizierung hat TensorX nicht, nach Angabe des Anbieters ist sie in Arbeit, zertifiziert ist bisher nur der Infrastrukturpartner. SOC 2 Typ II und ISO 42001, die Norm für KI-Managementsysteme, sind angekündigt. Ein Betrieb im eigenen Unternehmen ist nicht möglich, die Verarbeitung findet immer bei TensorX statt.
Für Unternehmen, die einen benannten EU-Verarbeitungsort und einen prüfbaren Vertrag brauchen, ist das eine belastbare Grundlage. Verlangt eine Ausschreibung dagegen ein abgeschlossenes Zertifikat, ist ein Anbieter mit vorliegender ISO 27001 die sicherere Wahl.
Alternativen zu TensorX
- Scaleway: Französischer Anbieter mit token-basierter Inferenz über eine OpenAI-kompatible API und abgeschlossener ISO-27001-Zertifizierung. Scaleway ist länger am Markt als TensorX und rechnet in einem Rechenzentrum in der Region Paris.
- IONOS AI Model Hub: Deutscher Anbieter mit Open-Source-Modellen aus einem Rechenzentrum in Deutschland und integrierter Vektor-Datenbank für die Suche in eigenen Dokumenten. IONOS passt, wenn der Serverstandort ausdrücklich Deutschland sein soll.
- STACKIT: Cloud der Schwarz-Gruppe mit Rechenzentren nur in Deutschland und Österreich, ISO 27001 und BSI C5 abgeschlossen. Der kleinere Modellkatalog fällt weniger ins Gewicht, wenn ein Zertifikat für die Vergabe nötig ist.
Vorteile
- Eigene GPUs in Rechenzentren in Dublin und Helsinki, die Inferenz bleibt in der EU
- Auftragsverarbeitungsvertrag samt Unterauftragnehmerliste ohne Anmeldung abrufbar
- OpenAI-kompatible API, für den Umstieg genügt eine andere Basis-URL
- Nutzungsbasierte Abrechnung ohne Grundgebühr und ohne Mindestabnahme
- Zugesagte Verfügbarkeit von 99,5 % für die API, mit Gutschrift bei Unterschreitung
Nachteile
- Sehr junges Unternehmen, im September 2025 eingetragen und seit Juni 2026 am Markt
- ISO 27001 nach eigener Angabe erst in Arbeit, SOC 2 und ISO 42001 nur angekündigt
- Werbung und Katalog gehen auseinander, beworben sind mehr als 42 Modelle, buchbar 20
- Kein kostenloses Kontingent zum Ausprobieren, und der Betrieb im eigenen Unternehmen ist nicht möglich