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Produktivität

Syncthing im Test

Syncthing gleicht Ordner unmittelbar zwischen Geräten ab, ohne zentralen Server dazwischen. Jedes Gerät verbindet sich TLS-verschlüsselt direkt mit den anderen, ein Konto braucht es dafür nicht. Das Programm steht unter der MPL-2.0, hat über 87.000 GitHub-Sterne und läuft auf Windows, macOS und Linux.

4,0 von 5

Stand 4. August 2026

Preismodell Kostenlos, Support-Abonnement bei Kastelo auf Anfrage
Betriebsort auf eigener Hardware
DSGVO im Einzelfall zu prüfen
Quelloffen ja, MPL-2.0

Wer denselben Ordner auf dem Laptop und auf dem Rechner im Büro aktuell halten will, braucht dafür weder ein Cloud-Konto noch einen eigenen Server. Syncthing verbindet die Geräte unmittelbar und überträgt bei einer Änderung nur die Dateiblöcke, die sich vom bisherigen Stand unterscheiden. Aktuell ist Version 2.1.2 vom 08.07.2026, und die 2er-Reihe hat die Datenbank von LevelDB auf SQLite umgestellt und merkt sich gelöschte Einträge nur noch 6 Monate lang statt dauerhaft. Seit 2.1 vom Mai fasst du Geräte und Ordner in der Oberfläche zu Gruppen zusammen, außerdem kommt das Programm jetzt durch HTTP- und HTTPS-Proxys hindurch, also durch die Zwischenserver, über die ein Firmennetz nach außen geht.

Wichtigste Funktionen

  • Abgleich von Gerät zu Gerät: Die Geräte finden einander über die Erkennungsserver des Projekts (global discovery) oder über Rundrufe im lokalen Netz und tauschen die Dateien dann direkt aus, TLS-verschlüsselt. Kommt keine direkte Verbindung zustande, etwa weil auf beiden Seiten ein Router die internen Adressen nach außen umsetzt, springt ein Weiterleitungsserver (relay) ein. Lesen kann er die Daten nicht, weil die Verschlüsselung zwischen den beiden Geräten durchläuft.
  • Freigabe je Ordner: Du wählst einzelne Ordner aus und legst für jeden fest, welche Geräte ihn bekommen. Ein Ordner liegt dann etwa nur auf 2 Rechnern, der nächste auf allen. Über eine Datei .stignore nimmst du einzelne Dateien und Unterordner vom Abgleich aus, nach demselben Prinzip wie die Datei .gitignore in der Versionsverwaltung Git.
  • Änderungen ohne Wartezeit: Syncthing hängt sich an die Änderungsmeldungen des Dateisystems und bekommt neue Stände dadurch sofort mit. Zusätzlich läuft ab Werk stündlich ein vollständiger Durchlauf über den Ordner, der auch das findet, was die Meldungen nicht erfasst haben.
  • Versionierung: Ältere Fassungen geänderter und gelöschter Dateien hebt Syncthing auf Wunsch auf. Zur Wahl stehen eine einfache Ablage der Vorgängerfassungen, gestaffelte Zeitabstände oder ein Papierkorb, aus dem du versehentlich Gelöschtes zurückholst.
  • Verschlüsselte Gegenstelle: Ein Gerät richtest du als nicht vertrauenswürdig ein, es bekommt dann ausschließlich verschlüsselte Daten. So nutzt du einen gemieteten Server als Zwischenstation für Geräte, die nie gleichzeitig laufen, ohne dass sein Betreiber die Dateien lesen kann.
  • Weboberfläche auf Port 8384: Geräte, Ordner und Einstellungen verwaltest du im Browser. Ab Werk ist sie nur auf dem eigenen Rechner erreichbar und verlangt kein Kennwort. Benutzername und Kennwort trägst du in den Einstellungen selbst ein, bis dahin blendet das Programm einen Hinweis darauf ein.

Preise und Tarife

Syncthing kostet nichts, Tarifstufen gibt es keine. Hinter dem Projekt steht die Syncthing Foundation, eine eingetragene schwedische gemeinnützige Stiftung, die aus Spenden Erkennungsserver, Bauserver und Webseite bezahlt. Geld kostet allenfalls das zweite Gerät, auf dem der Abgleich landen soll, also ein Netzwerkspeicher (NAS) oder ein kleiner Rechner samt Strom, dazu ein gemieteter Server, wenn ihr Erkennung und Weiterleitung selbst übernehmen wollt.

Einen Wartungsvertrag mit zugesagten Reaktionszeiten verkauft Kastelo, das in Schweden als Kastelo AB und in den Vereinigten Staaten als Kastelo USA, Inc. firmiert. Es gibt 2 Stufen je Gerät, eine mit Antwort am nächsten Werktag und eine mit einer Stunde Reaktionszeit ohne Einschränkung auf Geschäftszeiten. Den Preis nennt Kastelo erst auf Anfrage.

Auf dem iPhone führt der Weg nur über die Fremdanwendung Möbius Sync von Pickup Infinity Limited, die bis 20 MB Gesamtgröße kostenlos bleibt und danach mit einer einmaligen Zahlung von rund 4,29 Euro (4,99 USD im US-Angebot) den unbegrenzten Abgleich freischaltet. Dieser einzige Betrag der Aufstellung ist netto angegeben, die Umsatzsteuer schlägt beim Kauf aus Deutschland noch auf.

Für wen ist Syncthing geeignet?

  • Selbstständige und kleine Büros: Ein Projektordner, der auf mehreren eigenen Geräten gleich aussehen soll, kommt hier ohne Serverbetrieb und ohne monatliche Kosten aus. Die Einrichtung dauert wenige Minuten, danach läuft der Abgleich im Hintergrund.
  • Fertigung und Praxen im abgeschotteten Netz: In einer Fertigungshalle oder einem Praxisnetz ohne Internetzugang finden sich die Geräte über die Rundrufe im lokalen Netz. Erkennung nach außen, Weiterleitung, Absturzmeldungen und die selbsttätige Portfreigabe am Router schaltest du in den Einstellungen ab, danach spricht das Programm keinen fremden Server mehr an.
  • Sicherungskopien auf ein zweites Gerät: Ein Raspberry Pi oder ein NAS im Nebenraum nimmt die Ordner auf und hält sie aktuell. Mit der Versionierung holst du gelöschte Stände zurück. Ein Sicherungskonzept mit festen Ständen und einem geprüften Rückweg ersetzt der Abgleich nicht, weil eine versehentliche Änderung ohne Verzögerung auf beiden Seiten ankommt.

DSGVO und Datenschutz

Die Dateien gehen unmittelbar von Gerät zu Gerät, und wo das nicht gelingt, über einen Weiterleitungsserver, der sie nur verschlüsselt zu sehen bekommt. Die Voreinstellungen sprechen trotzdem fremde Rechner an.

Jedes Gerät meldet alle 30 Minuten seine Geräte-ID und seinen Port an die Erkennungsserver des Projekts, damit andere Geräte es finden. Die Dokumentation hält dazu selbst fest, dass der Betreiber dieser Server Geräte-IDs auf IP-Adressen abbilden und ablesen kann, welche Geräte miteinander verbunden sind. Diese Server betreibt die Syncthing Foundation, und ihre Adressen zeigten am 04.08.2026 auf IP-Bereiche der Hetzner Online GmbH in Deutschland.

Ab Werk meldet sich jedes Gerät zusätzlich bei einem Weiterleitungsserver aus einem öffentlichen Verzeichnis an, damit es auch dann erreichbar bleibt, wenn keine direkte Verbindung zustande kommt. Dieses Verzeichnis führte am 04.08.2026 genau 1.034 Server in 72 Ländern, davon 564 außerhalb der EU und des EWR, darunter 177 in den Vereinigten Staaten, 119 in Russland und 15 in China. Auf der Übersichtsseite steht wörtlich, dass das Projekt diese Server weder verwaltet noch prüft und jeder Betreiber allein für seinen Server verantwortlich ist. Der ausgewählte Server erfährt Geräte-ID und IP-Adresse, bei einer vermittelten Verbindung auch die der Gegenstelle, und er sieht den Umfang des Datenverkehrs zwischen beiden; die Dateien selbst bleiben für ihn unlesbar.

Dazu kommen Absturzmeldungen, die ab Werk an einen Projektserver gehen und laut Dokumentation keine Dateinamen, Geräte-IDs oder dauerhaften Kennungen enthalten, sowie eine Versionsprüfung alle 12 Stunden. Nutzungsstatistiken bleiben ab Werk aus, das Programm fragt einmalig danach. Die Dateiinhalte selbst sieht keiner dieser Server im Klartext, und ein KI-Anbieter, der damit ein Modell trainieren könnte, ist an Syncthing gar nicht beteiligt. Für all diese Dienste gibt es trotzdem keinen Auftragsverarbeitungsvertrag, und syncthing.net führt weder eine Datenschutzerklärung noch ein Impressum.

Die Weboberfläche verlangt ab Werk kein Kennwort. Am Arbeitsplatz ist sie nur auf dem eigenen Rechner erreichbar, im offiziellen Docker-Abbild dagegen auf allen Netzwerkschnittstellen, weil dort die Umgebungsvariable STGUIADDRESS auf 0.0.0.0:8384 gesetzt ist. Wer den Container so startet und den Port veröffentlicht, gibt jedem im Netz die volle Kontrolle über die freigegebenen Ordner.

Fast alles davon schaltest du ab. In den Einstellungen deaktivierst du globale Erkennung, Weiterleitung, Absturzmeldungen und Portfreigabe, trägst Benutzername und Kennwort ein und arbeitest entweder über die lokale Erkennung im eigenen Netz oder über fest eingetragene Adressen. Eigene Erkennungs- und Weiterleitungsserver sind vorgesehen und dokumentiert. Eine Ausnahme bleibt die Versionsprüfung, die auch bei abgeschalteter Selbstaktualisierung läuft, sobald jemand die Oberfläche öffnet; abstellen lässt sie sich nur, indem du Syncthing selbst aus dem Quelltext übersetzt.

So eingerichtet ist Syncthing für personenbezogene Daten eine gute Wahl, weil überhaupt kein Dienstleister dazwischensteht und damit auch kein Auftragsverarbeitungsvertrag nötig wird. Das grüne Abzeichen bekommt der Eintrag trotzdem nicht, denn im Auslieferungszustand geht die Zuordnung von Geräte-ID und IP-Adresse an mehrere Stellen im In- und Ausland, ohne Vertrag und ohne Information für die betroffenen Personen. Im Unternehmen haltet ihr die genannten Schalter deshalb am besten im Verzeichnis der Verarbeitungstätigkeiten fest, also in der Übersicht, die die DSGVO ohnehin verlangt, und prüft ihren Stand regelmäßig.

Alternativen zu Syncthing

  • Nextcloud: Passt, wenn ihr zusätzlich einen Zugriff über den Browser, Freigabelinks für Externe und eine Rechteverwaltung braucht. Dafür setzt Nextcloud einen Server voraus, den jemand betreiben und aktuell halten muss.
  • Seafile: Gleicht über einen zentralen Server ab und ist dabei schneller als Nextcloud. Der Hersteller sitzt in Peking, einen Auftragsverarbeitungsvertrag stellt er nicht ohne Anmeldung bereit.
  • ownCloud: Zielt auf Dateiplattformen für größere Organisationen, mit Rechteverwaltung und Anbindung an das Benutzerverzeichnis. Der Betrieb ist deutlich aufwendiger als bei Syncthing.

Wofür Syncthing taugt

  • Kein zentraler Server nötig, die Geräte gleichen direkt untereinander ab
  • TLS-verschlüsselt und vollständig quelloffen unter MPL-2.0
  • Alle Verbindungen nach außen schaltest du in den Einstellungen ab
  • Erkennungs- und Weiterleitungsserver kannst du selbst betreiben

Wo es hakt

  • Ab Werk meldet sich jedes Gerät bei den Projektservern und bei einem fremden Weiterleitungsserver
  • Die Weboberfläche verlangt ab Werk kein Kennwort
  • Dateizugriff über den Browser und Freigabelinks für Externe fehlen
  • Keine offizielle Anwendung für iOS oder Android

Wofür es eingesetzt wird

Dateiabgleich zwischen Geräten ohne Cloud · Sicherungskopie von Ordnern auf einem zweiten Rechner oder NAS · Abgleich im abgeschotteten Netz ohne Verbindung nach außen · Dezentrales Arbeiten ohne eigene Server-Infrastruktur