OpenWork: KI-Tool Test & Bewertung
OpenWork ist eine quelloffene Desktop-Anwendung, die einen KI-Agenten autonom an den eigenen Dateien arbeiten lässt, vom Recherchieren über das Erstellen von Dokumenten bis zum Sortieren von Ordnern. Anders als das cloud-gebundene Vorbild Claude Cowork läuft OpenWork lokal auf dem eigenen Rechner und lässt die Wahl zwischen über 50 Sprachmodellen, von Claude und GPT bis zu lokalen Modellen.
Zuletzt aktualisiert: 18. Juni 2026
Anthropics Claude Cowork erledigt Büroaufgaben eigenständig, läuft dabei aber ausschließlich in der Cloud und verlangt, dass Dateien das eigene Unternehmen verlassen. Genau hier setzt OpenWork an. Das Projekt der Y-Combinator-Firma Different AI baut das Cowork-Prinzip als lokale, quelloffene Desktop-App nach, die binnen weniger Monate über 16.000 GitHub-Sterne gesammelt hat. Technisch setzt es auf der OpenCode-Engine auf.
Wichtigste Funktionen
- Agentisches Arbeiten an lokalen Dateien: Der Agent liest, bearbeitet und erstellt Dateien direkt auf der eigenen Maschine und arbeitet mehrstufige Aufgaben selbständig ab. Statt zu beschreiben, wie man eine Recherche aufbereitet oder einen Ordner sortiert, liefert er das fertige Ergebnis.
- Freigabe-System: Bevor der Agent eine heikle Aktion ausführt, etwa eine Datei löscht oder überschreibt, fragt er sichtbar um Erlaubnis. So behalten Sie die Kontrolle und vermeiden, dass ein autonomer Lauf unbemerkt Daten verändert.
- Visuelles Dashboard: Ausführungspläne und Fortschritt sind in einer grafischen Oberfläche sichtbar, nicht in einem Terminal versteckt. Das macht das Tool auch für Mitarbeiter ohne technischen Hintergrund bedienbar.
- Freie Modellwahl: OpenWork ist anbieterunabhängig und unterstützt über 50 Sprachmodelle nach dem Prinzip eigener API-Schlüssel. Sie wählen zwischen Claude, OpenAI, Google oder lokal betriebenen Modellen und entscheiden damit selbst über Kosten, Qualität und Datenschutz.
- Browser-Automatisierung: Aufgaben in webbasierten Programmen lassen sich per natürlicher Sprache anstoßen. Der Agent bedient die Oberfläche stellvertretend, etwa um Daten aus einem Webtool zu ziehen oder Eingaben zu erledigen.
- Teilbare Setups: Skills, MCP-Server, Plugins und Konfigurationen lassen sich zu einem einzigen Link bündeln, den ein Team per Klick importiert. Ein einmal aufgebautes Agenten-Setup steht so allen Kollegen identisch zur Verfügung.
Preise und Tarife
Die Desktop-App ist unter der MIT-Lizenz kostenlos und Open Source. Im Einzelbetrieb zahlen Sie nur die API-Gebühren des selbst gewählten Sprachmodells, bei lokalen Modellen fallen lediglich die Kosten für die eigene Hardware und den Strom an. Für Teams gibt es einen Starter-Tarif mit den ersten 5 Plätzen kostenlos, danach rund 8,70 Euro pro Platz und Monat (Listenpreis 10 US-Dollar) inklusive API-Zugang. Der Enterprise-Tarif mit SSO, Service-Level-Zusagen, Langzeit-Versionen und eigener Inferenz wird individuell kalkuliert. Zu beachten ist, dass der Enterprise-Code im Verzeichnis ee unter einer eingeschränkten Fair-Source-Lizenz steht und nicht uneingeschränkt frei nutzbar ist.
Für wen ist OpenWork geeignet?
- Datenschutzbewusste Unternehmen: Wer die agentischen Büro-Funktionen von Cowork nutzen will, sensible Dateien aber nicht in eine US-Cloud geben darf, betreibt OpenWork lokal mit eigenen Modellen. Die Inhalte bleiben dann auf der eigenen Maschine.
- Technikaffine Selbstständige und kleine Teams: Wer Kontrolle über Modellwahl und Kosten behalten möchte, profitiert von der Anbieterunabhängigkeit. Bis zu 5 Plätze sind kostenlos, der Wechsel zwischen Claude, OpenAI und lokalen Modellen ist jederzeit möglich.
- Teams mit standardisierten Abläufen: Wer ein einmal aufgebautes Agenten-Setup im Team verteilen will, nutzt die teilbaren Skill- und MCP-Pakete. Alle Kollegen arbeiten so mit derselben Konfiguration, ohne sie einzeln nachzubauen.
DSGVO und Datenschutz
OpenWork ist lokal-first aufgebaut. Im Desktop-Betrieb bleiben die Dateien auf dem eigenen Rechner, nur die Prompts gehen an den von Ihnen gewählten Sprachmodell-Anbieter. Die Wahl des Modells bestimmt damit das Datenschutzniveau. Nutzen Sie Cloud-Modelle von Anthropic, OpenAI oder Google, fließen die Inhalte an deren überwiegend US-amerikanische APIs, was eine Auftragsverarbeitung und je nach Anbieter einen Drittlandtransfer bedeutet. Binden Sie dagegen lokal betriebene Modelle oder einen eigenen Inferenz-Endpunkt in der EU ein, verlässt kein Inhalt Ihre Infrastruktur. Die optionalen Cloud-Worker lassen sich abschalten. Für DSGVO-sensible Anwendungen ist der Betrieb mit lokalem Modell die empfohlene Variante.
Alternativen zu OpenWork
- Odysseus: Ebenfalls ein selbst gehosteter KI-Arbeitsplatz mit autonomen Agenten, dazu noch E-Mail und Kalender, aber unter der strengeren AGPL-Lizenz. Breiter als Arbeitsplatz angelegt, weniger eng am Cowork-Vorbild.
- OpenCode: Die technische Grundlage, auf der OpenWork aufsetzt. Als Terminal-Werkzeug stärker auf Programmierung ausgerichtet und damit eher für Entwickler als für klassische Büroarbeit gedacht.
- Claude: Das Original Claude Cowork ist Teil von Anthropics Plattform. Bequemer und ausgereifter im Cloud-Betrieb, dafür ohne lokale Datenhaltung und ohne freie Modellwahl.
Vorteile
- Lokal-first, Dateien bleiben auf dem eigenen Rechner statt in fremden Rechenzentren
- Über 50 Sprachmodelle frei wählbar, kein Vendor-Lock-in, eigene API-Schlüssel
- Klare Oberfläche mit Freigabe-Abfrage und Plan-Dashboard statt Terminal
- Skills, MCP-Server und Konfigurationen lassen sich als ein teilbarer Link im Team verteilen
Nachteile
- Sehr junges Projekt (seit Januar 2026, Version 0.x), Langzeitstabilität noch wenig erprobt
- Datenschutzvorteil entfällt, sobald Cloud-Modelle wie Claude oder GPT genutzt werden
- Der Enterprise-Teil im Verzeichnis ee steht unter eingeschränkter Fair-Source-Lizenz, nicht unter MIT