Twenty CRM: KI-Tool Test & Bewertung
Twenty ist eine quelloffene Alternative zu Salesforce und HubSpot, ein schlankes CRM mit Verkaufs-Pipelines, E-Mail-Anbindung und eigenen Objekten. Die Oberfläche erinnert an Notion, und über REST- und GraphQL-Schnittstellen verbinden Sie Twenty mit n8n oder anderen Automatisierungswerkzeugen. Mit über 54.000 GitHub-Sternen und wöchentlichen Veröffentlichungen gehört es zu den aktivsten Open-Source-CRM-Projekten.
Zuletzt aktualisiert: 5. August 2026
Mit Version 2.0 im April 2026 hat Twenty eine Anwendungsplattform bekommen, also eigene Objekte, Logik-Funktionen auf dem Server und einen eingebauten MCP-Server, über den KI-Assistenten auf die Daten im CRM zugreifen. Die Entwicklung läuft schnell, zwischen dem 29.06. und dem 04.08.2026 sind 10 Versionen erschienen, zuletzt 2.27.0. Der Selbstbetrieb setzt Docker, PostgreSQL und Redis voraus, und die Aktualisierungen müssen Sie mitgehen.
Wichtigste Funktionen
- Anpassbare Ansichten: Kanban-Boards, Tabellen, Filter, Sortierung und Gruppierung stellen Sie sich selbst zusammen. Eigene Objekte und Felder legen Sie ohne Programmierung an, etwa eine Objektart für Ausschreibungen oder Serviceverträge.
- Automatisierte Abläufe: Auslöser und Aktionen richten Sie direkt in Twenty ein, etwa um bei einem neuen Kontakt eine Aufgabe anzulegen oder eine Benachrichtigung zu verschicken. Seit Version 2.0 laufen dahinter auch selbst geschriebene Logik-Funktionen auf dem Server.
- E-Mail und Termine am Kontakt: Nachrichten und Kalendereinträge hängen am jeweiligen Kontakt oder Geschäft, sodass der Verlauf im Zusammenhang sichtbar bleibt.
- REST- und GraphQL-Schnittstelle: Beide Schnittstellen decken den vollen Funktionsumfang ab, darüber binden Sie n8n, Make oder eigene Skripte an. Die Bausteine für eigene Anwendungen, also SDK, Kommandozeilenwerkzeug und Oberflächen-Bibliothek, stehen unter der MIT-Lizenz und dürfen auch in kommerziellen Produkten stecken.
- MCP-Server für KI-Assistenten: Über den MCP-Server lesen und schreiben Claude, ChatGPT oder Cursor im CRM, etwa um Datensätze zu ergänzen oder eine Folge-E-Mail zu entwerfen. Welches Modell dahinter arbeitet, legen Sie selbst fest, auch ein eigener Endpunkt mit einem lokalen Modell ist vorgesehen.
- Rollen und Berechtigungen: Zugriffe steuern Sie je Rolle. Zeilengenaue Rechte, die Anmeldung über die zentrale Benutzerverwaltung der Firma per SAML oder OIDC und eine eigene Domain gehören zum Organization-Tarif der Cloud.
Preise und Tarife
Selbst betreiben können Sie Twenty kostenlos, der Kern steht unter AGPL-3.0. Als Aufwand bleiben der Server samt Sicherungen und die regelmäßigen Aktualisierungen.
In der Cloud kostet der Pro-Tarif 7,74 Euro pro Nutzer und Monat (9 USD) und enthält unbegrenzte Nutzerplätze, eigene Objekte und Felder sowie 50 Workflow-Guthaben im Jahr. Der Organization-Tarif liegt bei 16,34 Euro (19 USD) und ergänzt zeilengenaue Berechtigungen, Anmeldung über SAML oder OIDC und eine eigene Domain. Bei Jahreszahlung sinken beide Preise um 25 %, der Pro-Tarif damit auf 5,81 Euro pro Nutzer und Monat. Die Cloud testen Sie 30 Tage ohne Kreditkarte.
Der Enterprise-Tarif beginnt bei 43.000 Euro im Jahr (50.000 USD) und bringt eine eigene Instanz für den Kunden, IP-Freigabelisten und die automatische Nutzerverwaltung aus dem Verzeichnisdienst über SCIM. Bei der letzten Durchsicht im Juni 2026 standen für die Cloud noch keine Preise auf der Seite, Twenty verwies auf eine Anfrage. Wer Twenty in ein eigenes Software-Angebot einbaut und die AGPL-Bedingungen nicht erfüllen will, braucht weiterhin eine kommerzielle Lizenz. Alle Beträge verstehen sich netto, die Umsatzsteuer kommt jeweils obendrauf.
Für wen ist Twenty CRM geeignet?
- Vertriebsteams in kleinen Firmen und Beratungen: Wer eine Handvoll Pipelines führt und kein Salesforce-Budget hat, kommt beim Selbstbetrieb ohne Lizenzkosten aus. Die schlanke Oberfläche macht es leichter, die Daten auch wirklich zu pflegen.
- Firmen mit eigener IT, die das CRM an ihre Abläufe anpassen wollen: Eigene Objekte, Logik-Funktionen und die MIT-lizenzierten Bausteine machen aus Twenty eine Grundlage für eigene Anwendungen. Angebotsfreigaben oder Wartungsverträge bilden Sie als zusätzliche Objektart ab.
- Organisationen mit strengen Datenschutzvorgaben: Beim Selbstbetrieb auf einem deutschen Server liegen die Kundendaten in der eigenen PostgreSQL-Datenbank. Für Kanzleien, Praxen und Behörden ist das der einzige Weg, Twenty ohne Übermittlung in ein Land außerhalb der EU einzusetzen.
DSGVO und Datenschutz
Beim Selbstbetrieb hat Twenty selbst keinen Zugriff auf Ihre Kontakt- und Kundendaten. Die mitgelieferte Konfiguration ist dabei zurückhaltend eingestellt. In der Beispieldatei ist kein Schlüssel für einen Modellanbieter hinterlegt, die Zeilen für OpenAI, Anthropic, Google, xAI, Groq und Mistral sind allesamt auskommentiert. Ohne hinterlegten Schlüssel bleiben die KI-Funktionen stumm.
Über die Einstellung AI_PROVIDERS tragen Sie einen eigenen OpenAI-kompatiblen Endpunkt ein, also auch ein lokales Modell. Die Anmeldung mit Passwort ist ab Werk aktiv, der erste Nutzer wird Administrator und legt sein Passwort selbst fest, ein voreingestelltes gibt es nicht. Den Schlüssel ENCRYPTION_KEY erzeugen Sie beim Aufsetzen selbst, er verschlüsselt Zugangstoken und andere Geheimnisse in der Datenbank.
Die Cloud betreibt Twenty.com PBC. Das ist eine US-amerikanische Public Benefit Corporation, also eine Aktiengesellschaft mit satzungsgemäßem Gemeinwohlzweck, und die Nutzungsbedingungen unterstellen den Vertrag dem Recht des Bundesstaats Delaware. Die Daten liegen laut Datenschutzerklärung derzeit bei Amazon Web Services in Frankfurt, weitere Standorte sind für 2026 angekündigt. Twenty bezeichnet sich dort als Auftragsverarbeiter, nennt die EU-Standardvertragsklauseln und schreibt nichts von einer Nutzung der Kundendaten für das Training von Modellen.
Als eingebundene Dienste tauchen neben AWS noch Cloudflare und der Fehlerdienst Sentry auf. Einen Auftragsverarbeitungsvertrag nach Artikel 28 DSGVO haben wir ohne Anmeldung nicht gefunden. Die Adresse twenty.com/legal/dpa liefert die Nutzungsbedingungen, twenty.com/trust und twenty.com/legal antworten mit 404, und das Trust Center unter trust.twenty.com gibt ohne Anmeldung nur seinen Seitentitel her.
Für das grüne DSGVO-Abzeichen reicht das nicht. Hinter dem Cloud-Angebot steht ein Anbieter aus den USA, damit greift der CLOUD Act, über den US-Behörden auf Daten eines amerikanischen Anbieters zugreifen können, auch wenn die Server in Frankfurt stehen. Zusammen mit dem fehlenden öffentlichen Auftragsverarbeitungsvertrag steht der Eintrag deshalb auf dsgvoKonform: false, obwohl der Rechenort in der EU liegt und die Datenschutzerklärung nachvollziehbar argumentiert. Für den Selbstbetrieb auf einem Server in Deutschland gilt diese Einschränkung nicht, dort ist Twenty auch für sensible Kundendaten einsetzbar.
Alternativen zu Twenty CRM
- n8n: Eine Automatisierungsplattform statt einer Kundenverwaltung. Passt, wenn Sie CRM-Daten aus mehreren Quellen zusammenführen und weiterverarbeiten wollen.
- Chatwoot: Quelloffene Kundenkommunikation über mehrere Kanäle, näher an einem Helpdesk als an einem CRM. Sinnvoll, wenn der Erstkontakt über Chat und Messenger läuft.
- HubSpot: Deutlich mehr Funktionen und ein großes Ökosystem, in der Basisversion kostenlos, dafür ohne Selbstbetrieb und mit einem Anbieter aus den USA.
Vorteile
- Kanban, Tabellen und eigene Felder ohne Programmierung
- Selbstbetrieb per Docker Compose, dieselbe Software wie in der Cloud
- REST- und GraphQL-Schnittstelle plus eingebauter MCP-Server für KI-Assistenten
- Über 54.000 GitHub-Sterne, neue Version etwa im Wochentakt
Nachteile
- Cloud läuft bei einem US-Anbieter, der Auftragsverarbeitungsvertrag ist ohne Anmeldung nicht einsehbar
- Selbstbetrieb verlangt Docker, PostgreSQL und Redis
- Funktionsumfang bleibt im Unternehmenseinsatz hinter Salesforce oder HubSpot zurück
- AGPL-Lizenz greift, sobald Twenty Teil eines eigenen Software-Angebots wird