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Sprache & Audio

Open Wispr im Test

Open Wispr ist eine schlanke Diktiersoftware für macOS, die gesprochene Sprache über whisper.cpp direkt auf dem Mac in Text umwandelt. Ein Tastendruck genügt, und der Text erscheint in der Anwendung, in der gerade ein Textfeld aktiv ist. Open Wispr läuft als Hintergrunddienst aus Homebrew und verlangt weder ein Konto noch ein Abo.

4,5 von 5

Stand 4. August 2026

Preismodell Kostenlos, MIT-Lizenz, optionales Trinkgeld an den Entwickler
Betriebsort auf eigener Hardware
DSGVO ohne weitere Auflagen einsetzbar
Quelloffen ja, MIT

Diktierprogramme für den Mac wie Wispr Flow und Superwhisper kosten im vollen Funktionsumfang Geld, monatlich oder als Einmallizenz. Open Wispr beschränkt sich auf den Kern dieser Aufgabe und kostet nichts.

Solange die Globe-Taste gedrückt bleibt, nimmt der Mac auf. Nach dem Loslassen steht der Text an der Cursorposition, egal ob dort ein Mail-Fenster, Word oder ein Terminal offen ist. Die Erkennung übernimmt whisper.cpp über die Metal-Schnittstelle der Apple-Silicon-GPU. Hinter dem Projekt steht ein einzelner Entwickler, die erste Fassung stammt vom Februar 2026.

Wichtigste Funktionen

  • Diktat per Taste, gehalten oder umgeschaltet: Du hältst die Globe-Taste gedrückt und sprichst, nach dem Loslassen setzt Open Wispr den fertigen Text ein. Für längere Passagen stellst du auf den Umschaltbetrieb um, bei dem ein Tastendruck die Aufnahme startet und ein zweiter sie beendet. Seit Version 0.38 kannst du mehrere Tasten parallel belegen, etwa die Globe-Taste und F5.
  • 6 Modellgrößen von 75 MB bis 3 GB: Ab Werk läuft base.en mit 142 MB, das für Notizen und E-Mails reicht. Darunter liegt tiny.en mit 75 MB, nach oben stehen small.en (466 MB), medium.en (1,5 GB), large-v3-turbo (1,6 GB) und large-v3 (3 GB) bereit, für das größte Modell empfiehlt das Projekt einen M1 Pro oder besser. Von jedem Modell gibt es quantisierte Fassungen, die ein Drittel bis die Hälfte an Platz und Arbeitsspeicher brauchen.
  • Eigener Whisper-Prompt: Seit Version 0.42 vom 06.07.2026 nimmt Open Wispr einen frei formulierten Prompt entgegen und reicht ihn an Whisper durch. Damit gibst du Fachvokabular, Eigennamen oder die gewünschte Zeichensetzung vor, statt jedes Diktat hinterher zu korrigieren.
  • Metal-Beschleunigung auf Apple Silicon: whisper.cpp rechnet über Metal auf der GPU statt auf dem Prozessor. Bei den großen Modellen verkürzt das die Wartezeit zwischen dem Loslassen der Taste und dem fertigen Text.
  • 99 Sprachen über die mehrsprachigen Modelle: Die Modelle mit dem Kürzel .en verstehen nur Englisch. Für Deutsch wechselst du auf die mehrsprachige Fassung desselben Modells und trägst den Sprachcode de in die Konfigurationsdatei ein. Diese Modelle arbeiten im Englischen etwas ungenauer, decken dafür 99 Sprachen ab.
  • Menüleiste mit Aufnahme-Historie: Ein Wellensymbol in der Menüleiste zeigt, ob Open Wispr gerade aufnimmt, transkribiert oder auf eine Berechtigung wartet. Über dasselbe Menü holst du die letzte Transkription in die Zwischenablage, falls beim Diktieren kein Textfeld aktiv war. Aufnahmen speichert Open Wispr ab Werk nicht, auf Wunsch hält es die letzten 1-100 Diktate als WAV-Datei vor, um sie später mit einem größeren Modell erneut zu transkribieren.

Preise und Tarife

Open Wispr steht unter der MIT-Lizenz und kostet nichts, auch nicht nach einer Testphase. Tarifstufen oder Wortkontingente wie bei den Abo-Anbietern gibt es nicht. Über einen Stripe-Link nimmt der Entwickler ein frei wählbares Trinkgeld entgegen.

An Kosten bleibt der Platz auf der Festplatte, je nach Modell zwischen 31 MB für die kleinste quantisierte Fassung und 3 GB für large-v3. Der Mac mit Apple Silicon ist ohnehin Voraussetzung. Superwhisper Pro kostet zum Vergleich 7,30 Euro im Monat. Dieser Vergleichsbetrag ist netto zu verstehen, die Umsatzsteuer kommt darauf noch hinzu, während bei Open Wispr selbst gar keine Rechnung anfällt.

Für wen ist Open Wispr geeignet?

  • Selbstständige und Kanzleien mit vertraulichen Diktaten: Wer nach einem Mandantentermin die Notizen einspricht, behält Ton und Text auf dem eigenen Rechner. Einen Auftragsverarbeitungsvertrag, also den Vertrag mit einem Dienstleister über die Verarbeitung personenbezogener Daten, braucht es für diesen Schritt nicht.
  • Mac-Arbeitsplätze, an denen viel Fließtext entsteht: Für E-Mails, Übergaben und Gesprächsprotokolle geht Sprechen schneller als Tippen, und das Ergebnis landet direkt im offenen Fenster. Bei kurzen Texten fällt die fehlende KI-Nachbearbeitung kaum auf, längere Berichte formatierst du selbst nach.
  • Entwickler und technische Teams: Open Wispr ist in Swift geschrieben und läuft als Homebrew-Dienst. Die Einstellungen stehen in einer JSON-Datei im Konfigurationsordner. Tastenbelegungen und Prompts änderst du dort direkt, den Modellwechsel erledigt ein Skript. Die MIT-Lizenz erlaubt jede Anpassung, auch im kommerziellen Einsatz.

DSGVO und Datenschutz

Open Wispr hat keine Serverseite, die man prüfen müsste, und eine Cloud-Fassung gibt es nicht. Die Aufnahme landet in einer temporären Datei, whisper.cpp transkribiert sie auf dem Mac, danach löscht Open Wispr die Datei wieder. Beim ersten Start lädt es einmal das Whisper-Modell von Hugging Face herunter, weitere Netzwerkanfragen stellt es nicht, und weil der Quellcode unter MIT-Lizenz offenliegt, kannst du das selbst nachvollziehen.

Ein Training mit deinen Aufnahmen findet nicht statt. Whisper ist ein fertig trainiertes Modell, das Open Wispr nur anwendet. Mit eingeschalteter Aufnahme-Historie liegen die Diktate als WAV-Dateien unter ~/.config/open-wispr/recordings, dieser Ordner gehört ins eigene Löschkonzept. Für vertrauliche Diktate ist Open Wispr damit tragfähig, denn es gibt keinen Dienstleister, mit dem du einen Auftragsverarbeitungsvertrag schließen und dessen Serverstandort du belegen müsstest.

Alternativen zu Open Wispr

  • Superwhisper: Baut ebenfalls auf Whisper auf, arbeitet offline und hat eine KI-Nachbearbeitung in mehreren Tonfall-Modi, dazu Fassungen für Windows und iOS. Kostet Geld, nimmt dir dafür das Formatieren ab.
  • Wispr Flow: Formatiert automatisch, entfernt Füllwörter und läuft auf macOS, Windows, iOS und Android. Arbeitet in der Cloud und kostet ein Abo. Die Textverarbeitung ist stärker als bei Open Wispr.
  • Whisper.cpp: Steckt als Erkennungskern in Open Wispr. Wer Spracherkennung ohne grafische Oberfläche in eigene Programme einbauen oder unter Linux betreiben will, greift direkt dazu.

Wofür Open Wispr taugt

  • Kostenlos unter MIT-Lizenz, ohne Nutzungslimit
  • Die Erkennung rechnet der Mac, nach dem Modell-Download ohne Netzverbindung
  • Geführtes Installationsskript richtet Homebrew-Paket, Berechtigungen und Modell ein
  • Metal-Beschleunigung auf Apple Silicon für schnelle Erkennung
  • Eigener Whisper-Prompt für Fachvokabular und Zeichensetzung

Wo es hakt

  • Nur für Macs mit Apple Silicon (M1 oder neuer) ab macOS 13, kein Intel-Support
  • Einstellungen nur über eine JSON-Datei, danach Neustart des Dienstes nötig
  • Keine KI-Nachbearbeitung, weder Textformatierung noch Entfernen von Füllwörtern
  • Junges Ein-Personen-Projekt mit offenen Fehlerberichten, etwa zu Bluetooth-Mikrofonen

Wofür es eingesetzt wird

Texte per Sprache diktieren · E-Mails und Nachrichten einsprechen · Notizen und Protokolle aufnehmen