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R2R: KI-Tool Test & Bewertung

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RAG & Vektordatenbanken Kostenlos Quelltext kostenlos unter MIT-Lizenz. Kosten für Server und Sprachmodell. Die SciPhi Cloud ist abgeschaltet. Self-Hosted Open Source

R2R (Retrieval-to-Response) ist ein RAG-System von SciPhi, das Dokumente einliest, sie über eine Kombination aus Stichwort- und Ähnlichkeitssuche auffindbar macht und aus den Treffern mit einem Sprachmodell eine Antwort formuliert. Aus den Inhalten baut es zusätzlich einen Wissensgraphen auf und liefert eine Deep Research API für mehrstufige Recherchen sowie eine Weboberfläche für die Verwaltung. Der Funktionsstand entspricht Version 3.6.5 vom Juni 2025, danach ist keine neue Fassung mehr erschienen.

Zuletzt aktualisiert: 4. August 2026

Die Entwicklung von R2R steht seit dem 7. November 2025 still. Seitdem ist kein einziger Commit mehr dazugekommen, die Dokumentationsseite r2r-docs.sciphi.ai antwortet mit einem Fehler und das Cloud-Dashboard app.sciphi.ai hat der Hoster abgeschaltet. SciPhi, das Unternehmen aus San Francisco hinter dem Projekt, firmiert inzwischen als Event Horizon Labs und arbeitet an automatisiertem Börsenhandel. Der Quelltext liegt weiter unter MIT-Lizenz auf GitHub, wo das Projekt über 7.000 Sterne gesammelt hat, und installieren können Sie ihn unverändert, gepflegt wird er aber nicht mehr.

Wichtigste Funktionen

  • Dokumente einlesen: R2R nimmt 35 Dateiendungen entgegen, von PDF und Word über Tabellen und Bilder bis zu MP3-Aufnahmen. Den Text holt R2R selbst aus den Dateien, zerlegt ihn in Abschnitte und übersetzt jeden Abschnitt in eine Zahlenreihe, die inhaltliche Ähnlichkeit vergleichbar macht. Alles landet in einer PostgreSQL-Datenbank.
  • Hybride Suche: Jede Anfrage läuft gleichzeitig als Stichwortsuche und als Ähnlichkeitssuche über die Datenbank. Beide Trefferlisten verrechnet R2R nach dem Verfahren Reciprocal Rank Fusion zu einer gemeinsamen Rangfolge, das Gewicht der beiden Suchen legen Sie in der Konfiguration fest. So findet R2R Fachvokabular und exakte Bezeichnungen zuverlässiger als eine reine Ähnlichkeitssuche.
  • Wissensgraph: Aus den eingelesenen Dokumenten zieht R2R Personen, Produkte und Begriffe heraus und speichert deren Beziehungen als Graph in derselben Datenbank. Bei Fragen, deren Antwort über mehrere Dokumente verstreut liegt, stellt dieser Graph die Verbindung zwischen den Fundstellen her.
  • Deep Research API: Für Fragen, für die eine einzelne Suchanfrage nicht reicht, plant die Schnittstelle mehrere Suchschritte nacheinander, sammelt Belege aus verschiedenen Dokumenten und stellt daraus eine Antwort zusammen.
  • REST-Schnittstelle und Weboberfläche: R2R hat eine REST-Schnittstelle mit Python-SDK und eine Weboberfläche, über die Sie Dokumente, Nutzerkonten und Zugriffsrechte verwalten. Neuere Funktionen sind nach Version 3.6.5 nicht mehr dazugekommen.

Preise und Tarife

R2R steht unter der MIT-Lizenz, der Quelltext kostet nichts, auch nicht für eigene Weiterentwicklungen. Geld kosten der Server mit der PostgreSQL-Datenbank und die Aufrufe des Sprachmodells, das aus den gefundenen Stellen die Antwort formuliert. Wer stattdessen ein Modell im eigenen Unternehmen betreibt, zahlt für Grafikkarte und Strom statt pro Token.

Die frühere SciPhi Cloud mit ihrem kostenlosen Einstiegstarif gibt es nicht mehr, das Dashboard unter app.sciphi.ai meldet am 04.08.2026 nur noch, dass der Hoster die Seite abgeschaltet hat. Was Sie für Server und Modellanbieter bezahlen, sind Nettobeträge, auf die noch die Umsatzsteuer kommt.

Für wen ist R2R geeignet?

  • Entwicklungsteams, die den Quelltext selbst übernehmen: Die MIT-Lizenz erlaubt jede Änderung, auch für den kommerziellen Einsatz, ohne dass Sie jemanden fragen müssen. Wer die gemeldeten Sicherheitslücken selbst schließt und die Abhängigkeiten aktuell hält, bekommt eine weit gediehene Grundlage. Das bindet allerdings dauerhaft Entwicklungszeit.
  • Firmen mit einer laufenden R2R-Installation: Prüfen Sie zuerst, ob R2R aus dem Internet erreichbar ist und welche der offenen Meldungen Ihre Fassung betreffen. Danach bleibt Zeit, den Umstieg auf ein gepflegtes System in Ruhe zu planen.
  • Teams vor dem Aufbau eines eigenen RAG-Systems: Der Quelltext zeigt an einem durchgearbeiteten Beispiel, wie Einlesen, hybride Suche, Wissensgraph und die fertige Antwort ineinandergreifen. Als Bauplan für die eigene Architektur ist R2R weiterhin brauchbar.

DSGVO und Datenschutz

Einen Serverstandort beim Hersteller gibt es seit der Abschaltung der Cloud nicht mehr, R2R läuft samt PostgreSQL-Datenbank und Dokumenten nur noch auf Hardware, die Sie selbst stellen. Ein Training fremder Modelle findet damit nicht statt. Nach draußen geht allein der Aufruf des Sprachmodells, dessen Anbieter Sie in der Konfiguration festlegen. Mit einem lokalen Modell entfällt auch dieser Aufruf.

Auf GitHub liegen seit Mai und Juni 2026 mehrere Sicherheitsmeldungen offen, darunter eine SQL-Injection in der Indexverwaltung, über die Angreifer eigene Datenbankbefehle einschleusen (Issue 2290), ein Zugriff auf Unterhaltungen fremder Nutzer (2292) und eine Umgehung der Anmeldung, die unangemeldeten Anfragen Administratorrechte gibt (2295). Keine dieser Meldungen hat je eine Antwort der Entwickler bekommen, und die im Projekt genannte Meldeadresse security@r2r.com nimmt nach Angaben der Meldenden keine Post mehr an.

Ein Auftragsverarbeitungsvertrag ist gegenstandslos, weil es keinen Anbieter mehr gibt. Artikel 32 DSGVO verlangt vom Betreiber aber Schutzmaßnahmen nach dem Stand der Technik, und eine Software mit bekannten, ungeschlossenen Lücken erfüllt das nicht. Für einen Neustart mit personenbezogenen Daten kommt R2R deshalb nicht in Frage.

Alternativen zu R2R

  • RAGFlow: Deckt denselben Bereich ab, von der Dokumentenzerlegung über die hybride Suche bis zum Wissensgraphen. Die Entwickler arbeiten weiter daran, zuletzt am 04.08.2026. Wer R2R wegen seiner Bandbreite gewählt hatte, findet hier den nächstliegenden Ersatz.
  • Haystack: Framework der deepset GmbH aus Berlin für den Bau eigener RAG-Pipelines. Es ist flexibler als R2R, dafür müssen Sie mehr selbst zusammensetzen. Ein deutscher Hersteller mit eigenem Support erleichtert die Abstimmung mit der Datenschutzbeauftragten.
  • AnythingLLM: Deutlich schneller eingerichtet und mit fertiger Oberfläche, dafür fehlen Wissensgraph und mehrstufige Recherche. Gepflegt wird es weiterhin.

Vorteile

  • MIT-Lizenz, keine Auflagen für kommerzielle Nutzung oder eigene Weiterentwicklung
  • Automatisch erzeugter Wissensgraph aus den eingelesenen Dokumenten
  • 35 Dateiendungen von PDF und Word über Bilder bis MP3
  • Hybride Suche verbindet Stichworttreffer mit semantischer Ähnlichkeit

Nachteile

  • Seit dem 07.11.2025 kein Commit mehr, niemand pflegt das Projekt weiter
  • Mehrere öffentlich gemeldete Sicherheitslücken sind offen und unbeantwortet
  • Dokumentationsseite und Cloud-Dashboard des Herstellers sind abgeschaltet
  • Aufsetzen verlangt Docker, PostgreSQL und ein eigenes Sprachmodell oder API-Konto

Anwendungsgebiete

Dokumentenbestände durchsuchbar machenWissensgraph aus eigenen Dokumenten aufbauenDeep Research über interne DokumenteReferenzcode für ein eigenes RAG-System