PicoClaw: KI-Tool Test & Bewertung
PicoClaw ist ein ultraleichter persönlicher KI-Assistent des chinesischen Hardware-Herstellers Sipeed, von Grund auf in Go geschrieben und ausdrücklich kein Abkömmling von OpenClaw. Der Agent kommt mit 10 MB freiem Arbeitsspeicher aus, startet in unter einer Sekunde und verbindet sich mit 16 Chat-Kanälen. Das Sprachmodell selbst rechnet immer woanders, entweder bei einem Anbieter oder auf einer stärkeren Maschine im eigenen Netz.
Zuletzt aktualisiert: 4. August 2026
Ein Xiaomi-Router von 2016 mit 256 MB Arbeitsspeicher reicht aus, um PicoClaw zu betreiben. Die Hardware-Liste des Projekts führt außerdem ein Nokia N900 von 2009, eine Xiaomi-Sprachbox und einen Einplatinencomputer für rund 8,50 Euro. Auf dem kleinen Gerät läuft nur der Agent, der Nachrichten entgegennimmt, Werkzeuge aufruft und Antworten zurückschickt, während das Sprachmodell auf einer stärkeren Maschine oder bei einem Anbieter rechnet. Das Projekt startete im Februar 2026 und steht heute bei über 29.000 GitHub-Sternen.
Wichtigste Funktionen
- Minimale Ressourcen: Das Projekt nennt 10 MB freien Arbeitsspeicher als Untergrenze und 32 MB als empfohlenen Wert, der Start dauert auf einem 0,6-GHz-Kern unter einer Sekunde. Die Programmdatei läuft ohne weitere Abhängigkeiten auf RISC-V, ARM, MIPS, x86 und LoongArch. Der Hersteller schränkt selbst ein, dass aktuelle Fassungen nach vielen zusammengeführten Änderungen eher 10-20 MB belegen.
- 16 Chat-Kanäle: Das Handbuch führt Telegram, Slack, Discord, WhatsApp, Matrix, IRC und MQTT auf, dazu die im asiatischen Raum verbreiteten Dienste. Slack läuft im Socket Mode und braucht deshalb keine öffentlich erreichbare Adresse. Microsoft Teams steckt zusätzlich im Quelltext, dort allerdings nur als Ausgabekanal über einen Webhook.
- Freie Modellwahl: Die Anleitung listet 23 Anbieter, von OpenAI, Anthropic und Google über DeepSeek, Qwen und Moonshot bis zu Mistral und AWS Bedrock. Lokale Modelle im eigenen Netz binden Sie über deren OpenAI-kompatible Schnittstelle ein. Eine Regel-Weiche schickt einfache Anfragen an ein kleineres Modell und senkt so die Kosten.
- MCP und Bilder: Über das offene Protokoll MCP, einen Standard zum Anschluss von KI-Agenten an Werkzeuge und Datenquellen, bindet PicoClaw fremde Server an. Bilder und Dateien reicht der Agent direkt an ein bildfähiges Modell weiter. MCP ist ab Werk abgeschaltet, Sie schalten es in der Konfiguration frei.
- Fertigkeiten aus einem Verzeichnis: Der Agent sucht selbst nach Fertigkeiten und installiert sie, ab Werk aus ClawHub und von GitHub. Eine Fertigkeit ist eine Markdown-Anleitung, in der auch Shell-Befehle stehen dürfen, die der Agent anschließend ausführt.
- Geplante Aufgaben und Selbstlernen: Wiederkehrende Aufträge laufen über Cron, den Zeitplaner des Systems, etwa eine tägliche Zusammenfassung. Seit Mai 2026 kann PicoClaw aus erfolgreich abgeschlossenen Abläufen zusätzlich eigene Fertigkeiten schreiben. Diese Selbstlern-Funktion ist ab Werk abgeschaltet, und die Projektdokumentation warnt ausdrücklich, dass der eingebaute Prüfer untergeschobene Anweisungen nicht zuverlässig erkennt.
Preise und Tarife
PicoClaw kostet nichts und steht unter der MIT-Lizenz, auch bei kommerzieller Nutzung. Eine kostenpflichtige Fassung oder eine Cloud des Herstellers gibt es nicht. Geld kostet die Hardware. Sipeed verkauft den LicheeRV Nano mit Ethernet-Anschluss für rund 8,50 Euro (9,90 USD), die eigens für PicoClaw gebaute Platine LicheeRV-Claw lag bei AliExpress zuletzt bei rund 7,90 Euro (9,16 USD).
Ein Raspberry Pi, ein ausgemusterter OpenWrt-Router oder ein altes Android-Telefon mit Termux tun es ebenso. Der größere Posten ist der Modellzugang, denn ohne Sprachmodell antwortet der Agent nicht. Wer stattdessen ein Modell auf einer eigenen Maschine im Netz betreibt, zahlt Anschaffung und Strom statt Token. Alle genannten Beträge sind Nettopreise der jeweiligen Anbieter, die Umsatzsteuer kommt beim Kauf hinzu.
Für wen ist PicoClaw geeignet?
- Bastler und Technikbegeisterte: Wer einen persönlichen Assistenten auf einer Platine für unter 10 Euro aufsetzen und dabei mehrere Chat-Dienste ausprobieren will, ist bei PicoClaw richtig. Auch ein altes Telefon oder ein ausgedienter Router genügt.
- Entwicklerteams, die den Quelltext prüfen müssen: 133.000 Zeilen Go in 541 Dateien sind eine Größe, die ein Team in vertretbarer Zeit durchsieht. OpenClaw kommt zum Vergleich auf rund 3 Millionen Zeilen. Nötig ist die Durchsicht auch deshalb, weil laut Projekt 95 % des Kerncodes von einem Agenten stammen und erst im Nachgang von Menschen geprüft wurden. Als Grundlage für einen eigenen, eng gefassten Agenten taugt PicoClaw.
- Nicht geeignet für die Arbeit mit Kundendaten: Solange die Websuche nach China geht, das Erweiterungsverzeichnis von OpenClaw eingeschaltet ist und der Hersteller vor Version 1.0 selbst vom Produktiveinsatz abrät, hat PicoClaw in Mandats-, Personal- oder Konstruktionsdaten nichts zu suchen.
DSGVO und Datenschutz
Hinter PicoClaw steht Sipeed aus Shenzhen, ein Hersteller von Einplatinencomputern. Eine Cloud des Herstellers existiert nicht, ebenso wenig eine Datenschutzerklärung auf picoclaw.io oder ein Auftragsverarbeitungsvertrag. Erklärung und Vertrag fehlen folgerichtig, denn Sipeed verarbeitet für Sie nichts.
Telemetrie haben wir im Quelltext am 04.08.2026 nicht gefunden, und die Aktualisierungsprüfung läuft nur auf ausdrücklichen Befehl. Der Gateway nimmt ab Werk nur Verbindungen vom Gerät selbst an (127.0.0.1), und die Weboberfläche verlangt ein Kennwort. Zugangsdaten legen Sie verschlüsselt in einer getrennten Datei ab.
Trotzdem sendet PicoClaw ab Werk Daten an Dritte, ohne dass jemand etwas einrichtet. Die Websuche ist eingeschaltet, und von 10 möglichen Suchdiensten steht genau einer bereit, nämlich die zu Tencent gehörende Suchmaschine Sogou. Jede Suche des Agenten läuft damit nach China, nachzulesen in pkg/config/defaults.go und pkg/tools/integration/web.go.
Ebenfalls ab Werk eingeschaltet ist ClawHub, das Erweiterungsverzeichnis von OpenClaw. Der Agent darf dort selbständig suchen und installieren, und die installierten Anleitungen führt er anschließend aus. In genau diesem Verzeichnis fand der Sicherheitsanbieter Koi Security im Februar 2026 341 Erweiterungen mit Schadcode.
Ohne Zugang zu einem Sprachmodell tut PicoClaw nichts. Die mitgelieferte Beispielkonfiguration trägt gpt-5.4 von OpenAI als Standardmodell, die Anbieterliste der Weboberfläche führt OpenAI an erster Stelle, und die Einträge für Modelle im eigenen Netz stehen im Mittelfeld. Ob Ihre Eingaben zum Training verwendet werden, entscheidet damit der Anbieter, den Sie eintragen, und den Auftragsverarbeitungsvertrag schließen Sie ebenfalls mit ihm. Die Gesprächsverläufe liegen als Sitzungsdateien und in einer SQLite-Datenbank unter ~/.picoclaw/workspace und bleiben dort, bis Sie sie löschen.
Der Quelltext selbst hat im Sommer 4 eigene Schwachstellen bekommen, veröffentlicht am 18.07.2026 als CVE-2026-16195 bis CVE-2026-16198; betroffen sind die Fassungen 0.2.0 bis 0.2.9. Die schwerste erlaubt es, die Anmeldung an der Weboberfläche über die Zugriffsliste der Ersteinrichtung zu umgehen, bewertet mit 6,3 von 10 Punkten. Zwei weitere hängen an Messenger-Diensten, die in Deutschland kaum jemand nutzt. Version 0.3.1 vom 03.07.2026 enthält die Korrekturen bereits.
Für personenbezogene Daten reicht das nicht. Wer PicoClaw im Unternehmen ausprobieren will, schaltet Websuche und Erweiterungsverzeichnis in der Konfiguration ab, trägt ein Modell auf einer eigenen Maschine ein und setzt den Agenten in einen Container mit eng gefassten Rechten. Dann bleibt die gesamte Verarbeitung auf Ihrer Hardware, und die Frage der Datenschutzbeauftragten hat eine belegbare Antwort.
Alternativen zu PicoClaw
- NanoBot: Das erklärte Vorbild von PicoClaw, geschrieben in Python am Data Intelligence Lab der Universität Hongkong. NanoBot braucht laut der Vergleichstabelle von PicoClaw mehr als 100 MB Arbeitsspeicher, bringt dafür eine Weboberfläche, ein Langzeitgedächtnis und Subagenten mit.
- OpenClaw: Das namensverwandte, weit größere Agentenprogramm mit über 30 Kanälen und einer gemeinnützigen Stiftung im Rücken. Es hat mehr Funktionen als PicoClaw, dazu 9 CVEs aus dem ersten Halbjahr 2026 und mit rund 3 Millionen Zeilen Quelltext einen Umfang, den niemand mehr durchsieht.
- n8n: Die Wahl für wiederkehrende Abläufe mit KI-Bausteinen. Der grafische Editor und der Betrieb auf eigenen Servern sind in einer Firma leichter zu vertreten als ein Agentenprogramm vor Version 1.0, einen Gesprächspartner im Messenger ersetzt n8n dafür nicht.
Vorteile
- Kommt mit 10 MB freiem Arbeitsspeicher aus und startet in unter einer Sekunde
- Läuft auf RISC-V, ARM, MIPS und x86, getestet bis hinunter zu einem OpenWrt-Router von 2016
- 16 Chat-Kanäle, darunter Telegram, Slack, Discord, WhatsApp, Matrix und MQTT
- 133.000 Zeilen Go in 541 Dateien, ein Umfang, den eine eigene Prüfung noch schafft
- MIT-Lizenz, kommerziell nutzbar
Nachteile
- Vier eigene Schwachstellen mit CVE-Kennung, veröffentlicht am 18.07.2026
- Die Websuche fragt ab Werk bei der chinesischen Suchmaschine Sogou an
- Erweiterungen kommen ab Werk aus ClawHub, dem Verzeichnis von OpenClaw
- Vor Version 1.0, der Hersteller rät selbst vom Produktiveinsatz ab
- Ohne Zugang zu einem Sprachmodell nutzlos, und die Voreinstellung heißt OpenAI