OpenCode: KI-Tool Test & Bewertung
OpenCode ist ein quelloffener KI-Coding-Agent unter MIT-Lizenz mit über 193.000 GitHub-Sternen. Er läuft im Terminal, als Desktop-App für macOS, Windows und Linux, als Weboberfläche auf dem eigenen Rechner und als Erweiterung für VS Code und dessen Ableger. Über 75 Modellanbieter stehen zur Wahl, darunter die europäischen Hoster STACKIT, OVHcloud und Scaleway. Vorhandene Abos von GitHub Copilot, ChatGPT Plus oder GitLab Duo nutzen Sie ohne Einrichtung weiter.
Zuletzt aktualisiert: 4. August 2026
Wer Claude Code oder OpenAI Codex im Terminal nutzt, arbeitet mit den Modellen des jeweiligen Herstellers. OpenCode löst diese Kopplung und stellt die Modellwahl frei, von Claude über GPT und Gemini bis zu Modellen auf eigener Hardware. Anomaly Innovations aus San Francisco, das Team hinter dem Infrastruktur-Werkzeug SST, pflegt das Projekt. Dasselbe Team verkauft inzwischen eigene Modellzugänge dazu, und dieser Teil wiegt bei der Datenschutzfrage schwerer als der quelloffene Kern.
Wichtigste Funktionen
- Freie Modellwahl über 75 Anbieter: Der Katalog models.dev führt Claude, GPT, Gemini, Qwen, Kimi und GLM, dazu die europäischen Hoster STACKIT, OVHcloud und Scaleway sowie lokale Modelle. Das Modell wechseln Sie mitten im Gespräch, ohne an der Einrichtung etwas zu ändern.
- Vorhandene Abos weiterverwenden: GitHub Copilot, ChatGPT Plus oder Pro und GitLab Duo melden Sie mit einem Befehl an, ganz ohne API-Schlüssel. Wer Copilot Pro für 8,60 Euro im Monat ohnehin zahlt, bekommt OpenCode ohne zusätzliche Kosten dazu.
- Terminal, Desktop-App, Weboberfläche und Editor-Erweiterung: Im Terminal laufen mehrere Agenten parallel am selben Projekt, jeder mit eigenem Verlauf und Modell. Daneben gibt es eine Desktop-App für macOS, Windows und Linux, eine Weboberfläche, die der Befehl
opencode weblokal auf 127.0.0.1 startet, und eine Erweiterung für VS Code, Cursor, Windsurf und VSCodium. Über das Agent Client Protocol hängen sich außerdem Zed, die JetBrains-Entwicklungsumgebungen und zwei Neovim-Plugins an denselben Agenten. - Sprachserver ohne Konfiguration: OpenCode startet die Sprachserver des Projekts selbst, also die Dienste, die auch Ihre Entwicklungsumgebung mit Typen, Fehlern und Verweisen versorgen. Das Modell sieht dadurch dieselben Meldungen wie Sie und rät weniger.
- Rechte je Werkzeug: Für Shell-Befehle, Dateiänderungen und Web-Abrufe legen Sie einzeln fest, ob OpenCode sie ausführen darf, vorher fragen muss oder gar nicht darf. Ab Werk steht alles auf "allow", der Agent führt Befehle also ohne Rückfrage aus. In Firmenumgebungen stellen Sie diese Einstellung als Erstes um.
- Erweiterbar über MCP, Skills und Plugins: Externe Systeme wie Ticketsysteme oder Datenbanken binden Sie über das Model Context Protocol an, wiederkehrendes Vorgehen legen Sie als Agent Skill ab, und für eigene Werkzeuge gibt es ein SDK.
Preise und Tarife
OpenCode selbst steht unter MIT-Lizenz und kostet nichts. Die Rechnung entsteht am gewählten Modell. Mit eigenen API-Schlüsseln zahlen Sie nur die verbrauchten Token beim jeweiligen Anbieter. Ein vorhandenes GitHub-Copilot-Abo (Pro 8,60 Euro im Monat, 10 US-Dollar) oder ein ChatGPT-Plus-Zugang deckt die Nutzung ohne Aufpreis ab, und bei Modellen auf eigener Hardware entfällt die laufende Rechnung ganz.
Daneben verkauft Anomaly zwei eigene Zugänge. OpenCode Zen rechnet nach Verbrauch ab und gibt die Listenpreise der Modellanbieter ohne Aufschlag weiter, für Claude Opus 5 etwa 4,30 Euro je Million Eingabe-Token und 21,50 Euro je Million Ausgabe-Token (5 und 25 US-Dollar), für das günstige GPT 5.6 Luna 0,17 und 1,03 Euro. Das Guthaben lädt sich automatisch um 17,20 Euro auf (20 US-Dollar), sobald es unter 4,30 Euro fällt, und Anomaly gibt die Kartengebühr von 4,4 % plus 0,26 Euro zum Selbstkostenpreis weiter.
OpenCode Go ist ein Abonnement für 8,60 Euro im Monat (10 US-Dollar, im ersten Monat 4,30 Euro) und gibt Zugang zu 18 offenen Modellen, begrenzt auf 10,32 Euro Verbrauch je 5 Stunden (12 US-Dollar), 25,80 Euro je Woche (30) und 51,60 Euro im Monat (60). Für Unternehmen gibt es eine Lizenz je Arbeitsplatz mit zentraler Anmeldung über das eigene Identitätssystem. Wer ein eigenes Modell-Gateway betreibt, also einen eigenen Zugangspunkt zu den Modellanbietern, zahlt darin keine Token-Gebühren. Einen Preis für die Lizenz nennt Anomaly nicht öffentlich.
Die Beträge oben sind Nettoangaben, die Dollar-Listen von Zen und Go ebenso wie die daraus umgerechneten Euro-Werte. Für deutsche Kunden kommt die Umsatzsteuer noch dazu.
Für wen ist OpenCode geeignet?
- Entwicklungsteams mit mehreren KI-Abos: Copilot-Zugang, ChatGPT-Abo, eigene API-Schlüssel und lokale Modelle bündeln Sie in einem Werkzeug. Das senkt die Kosten und den Verwaltungsaufwand.
- Firmen, die bei europäischen Modellanbietern einkaufen: Wer Token bei STACKIT, OVHcloud oder Scaleway bezieht, trägt den Endpunkt in die Konfiguration ein und arbeitet mit demselben Agenten weiter. Eine noch als Versuch gekennzeichnete Richtlinienfunktion sperrt andere Anbieter firmenweit, sodass ein einzelnes Projekt sie nicht wieder einschalten kann.
- Terminal-erfahrene Entwickler: In der Kommandozeile bestimmen Sie Modellwahl und Rechte selbst, dazu binden Sie eigene Werkzeuge und Abläufe an.
DSGVO und Datenschutz
Das Programm läuft auf Ihrem Rechner, der Quelltext liegt offen, und Code oder Kontextdaten speichert OpenCode nach eigener Aussage nicht auf fremden Servern. Für die Datenschutzfrage zählt trotzdem der Anbieter, die Anomaly Innovations, Inc. mit Sitz in San Francisco. Deren Datenschutzerklärung nennt weder einen DSGVO-Abschnitt noch einen Auftragsverarbeitungsvertrag noch einen Serverstandort, führt aber ausdrücklich Eingaben an die KI unter den erhobenen Daten.
Die beiden Bezahlzugänge Zen und Go leiten jede Anfrage über Server in den USA. Für die dahinterliegenden Modellanbieter sagt Anomaly zu, dass sie die Eingaben nicht speichern und auch nicht zum Training verwenden, mit Ausnahme einiger Gratis-Modelle, bei denen die Eingaben laut Dokumentation zur Verbesserung des Modells genutzt werden dürfen. Die Aktualisierungsprüfung ist ab Werk eingeschaltet und meldet sich bei jedem Start beim Hersteller, über die Einstellung autoupdate schalten Sie sie ab. Das Teilen einer Sitzung über /share ist dagegen ab Werk aus, und Firmen können die Funktion vollständig sperren.
Wer OpenCode mit eigenen Schlüsseln bei einem europäischen Hoster oder mit Modellen auf eigener Hardware betreibt, verarbeitet ausschließlich dort und braucht den Auftragsverarbeitungsvertrag auch nur mit diesem Hoster. Das grüne Abzeichen trägt der Eintrag trotzdem nicht, denn beim Anbieter selbst fehlen EU-Serverstandort und einsehbarer Vertrag, und neben dem quelloffenen Programm steht eine US-Cloud mit Bezahltarifen.
Alternativen zu OpenCode
- Claude Code: Der eigene Coding-Agent von Anthropic ist eng auf die Claude-Modelle abgestimmt und bringt Desktop-App, Browser-Zugang und Erweiterungen für VS Code und JetBrains mit. Sie zahlen ein Abo ab rund 17 Euro im Monat und bleiben bei diesen Modellen.
- OpenAI Codex: Codex läuft über ein bestehendes ChatGPT-Abo und arbeitet Aufgaben ähnlich selbständig ab, allerdings nur mit den Modellen von OpenAI.
- Mistral Vibe: Das Kommandozeilen-Werkzeug von Mistral aus Paris ist quelloffen, die Plattform dahinter läuft mit EU-Datenstandort und Auftragsverarbeitungsvertrag. Die Auswahl an Modellen ist kleiner, der Vertragspartner sitzt dafür in der EU.
Vorteile
- MIT-Lizenz, über 193.000 GitHub-Sterne, mehrere Veröffentlichungen pro Woche
- Über 75 Modellanbieter, darunter STACKIT, OVHcloud und Scaleway aus Europa
- Vorhandene Abos von GitHub Copilot, ChatGPT Plus und GitLab Duo ohne Einrichtung nutzbar
- Terminal, Desktop-App, lokale Weboberfläche und Editor-Erweiterung aus einer Quelle
- Lädt die Sprachserver des Projekts selbst, das Modell sieht dieselben Fehler wie Ihre Entwicklungsumgebung
Nachteile
- Shell-Befehle, Dateiänderungen und Web-Abrufe sind ab Werk ohne Rückfrage erlaubt
- Anbieter sitzt in den USA und veröffentlicht keinen Auftragsverarbeitungsvertrag
- Qualität der Ergebnisse hängt stark vom gewählten Modell ab