Goose: KI-Tool Test & Bewertung
Goose ist ein quelloffener KI-Agent, der auf dem eigenen Rechner arbeitet, dort Dateien liest und schreibt, Befehle ausführt und über MCP externe Werkzeuge anbindet. Entwickelt hat ihn Block, seit April 2026 liegt das Projekt bei der Agentic AI Foundation der Linux Foundation und wird seither unter deren eigenem GitHub-Konto gepflegt. Bedienen können Sie ihn über eine Desktop-App für macOS, Windows und Linux oder über die Kommandozeile.
Zuletzt aktualisiert: 3. August 2026
Claude Code, Codex und OpenCode laufen im Terminal. Für Mitarbeitende, die damit nie gearbeitet haben, steht die Hürde schon vor der ersten Anfrage. Goose bringt dieselbe Maschinerie zusätzlich in ein Fenster mit Seitenleiste, Chatverlauf, Erweiterungsverwaltung und einem Zeitplaner für wiederkehrende Aufgaben.
Wir haben beide Wege im Juli 2026 mit Version 1.44.0 auf einem Mac geprüft, inzwischen steht Version 1.45.0 vom 29. Juli bereit. Desktop-App und Kommandozeile greifen auf dieselbe Konfigurationsdatei zu, ein in der App eingerichteter Modellzugang gilt also auch dort.
Wichtigste Funktionen
- Desktop-App und Kommandozeile: Die App gibt es für macOS, Windows und Linux, wahlweise als Installationsdatei oder über Homebrew. Die Seitenleiste führt zu Chat, Rezepten, Zeitplaner, Erweiterungen und Einstellungen, ihre Anordnung und ihr Umfang sind anpassbar. Seit Version 1.44.0 gibt es die Oberfläche auch auf Deutsch, insgesamt liegt sie in 16 Sprachen vor. Die Kommandozeile eignet sich für Automatisierung und Serverbetrieb.
- Über 40 Modellanbieter: Die Dokumentation listet OpenAI, Anthropic, Google, Groq, Mistral und Amazon Bedrock, dazu lokale Modelle, die Sie im eigenen Unternehmen betreiben. Mit Scaleway und OVHcloud sind zwei europäische Hoster direkt angebunden. Neue Modelle zieht das Projekt zügig nach, Claude Opus 5 kam mit Version 1.45.0 hinzu. Wer ein Abo bei Claude Code, Codex oder Cursor hat, hängt es über einen Adapter als Modellquelle ein.
- Erweiterungen über MCP: Das Model Context Protocol ist der gemeinsame Standard, über den Programme einem KI-Agenten ihre Funktionen anbieten. Rund 70 fertige Erweiterungen stehen bereit, von Dateizugriff über Datenbanken bis zu Browsersteuerung. Eigene MCP-Server tragen Sie genauso ein, in der App über ein Formular, in der Kommandozeile über die Konfigurationsdatei.
- Rezepte, Skills und Zeitplaner: Ein Rezept hält einen mehrstufigen Ablauf als einfache Textdatei fest, mit Anweisungen, benötigten Erweiterungen, Parametern und Unterrezepten. Solche Dateien geben Sie im Team weiter, starten sie im Zeitplaner der App wiederkehrend oder rufen sie in einer automatisierten Prüfstrecke (CI/CD) auf. Dazu liest Goose sogenannte Skills, also Anleitungen im Ordner
.agents/skills. Sie haben dieselbe Form wie bei Claude und anderen Agenten und funktionieren deshalb ohne Umbau. - Unteragenten: Aus einer laufenden Sitzung heraus startet Goose eigenständige Unteragenten, die parallel arbeiten und ihr Ergebnis zurückmelden. Bei größeren Aufgaben prüft einer den Code, während ein zweiter die Tests laufen lässt.
- Vier Berechtigungsstufen und Sicherheitsprüfungen: Im Chat-Modus arbeitet Goose ohne Werkzeugzugriff, im Auto-Modus ohne Rückfrage, dazwischen liegen die Freigabe pro Aufruf und ein Modus, in dem ein Sprachmodell harmlose von heiklen Aufrufen trennt. Ab Werk läuft der Auto-Modus. Ergänzend erkennt eine Musterprüfung typische Angriffe über eingeschleuste Anweisungen, etwa das Abgreifen von SSH-Schlüsseln oder das Nachladen fremder Skripte, sie ist allerdings erst nach dem Setzen einer Umgebungsvariablen aktiv. Ein zweiter, unabhängiger Prüf-Agent kann jeden Werkzeugaufruf gegen selbst geschriebene Regeln abgleichen und blockieren.
Preise und Tarife
Goose kostet nichts. Das Projekt steht unter Apache-2.0, kommerzielle Nutzung eingeschlossen, es gibt weder eine Bezahlversion noch eine Registrierung.
Zahlen müssen Sie nur für das Modell dahinter, und dort gehen die Preise weit auseinander. Bei Scaleway beginnt die Liste mit 0,15 Euro je Million Token, die großen Modelle von Anthropic und OpenAI kosten ein Vielfaches davon, wobei agentische Arbeit deutlich mehr Token verbraucht als ein Chat, weil der Agent Dateien liest, Werkzeuge aufruft und Zwischenschritte zurückspielt. Seit Version 1.44.0 zeigt die App je Nachricht an, wie viele Token und wie viel Geld sie gekostet hat.
Wer stattdessen lokale Modelle nutzt, zahlt pro Anfrage nichts und braucht dafür passende Hardware. In unseren Projekten haben sich für Agentenarbeit 64 GB Arbeitsspeicher als sinnvolle Untergrenze gezeigt, mit 32 GB bleibt die Modellauswahl klein.
Ein vorhandenes Abo bei Claude Code oder ChatGPT hängen Sie über den Adapter ein. Ob das erlaubt ist, richtet sich allerdings nach den Bedingungen des jeweiligen Anbieters, zugesichert ist diese Betriebsart nicht. Alle genannten Modell- und Hardwarepreise sind Nettobeträge, für die noch Umsatzsteuer anfällt.
Für wen ist Goose geeignet?
- Mitarbeitende außerhalb der Entwicklung: Die Desktop-App macht einen Agenten für alle nutzbar, die kein Terminal öffnen wollen. Modelle, Erweiterungen und Berechtigungen sind über Menüs erreichbar, der Verlauf bleibt sichtbar, und ein Ablauf aus einem Rezept startet per Klick.
- Unternehmen mit lokalen Modellen: Wer Sprachmodelle auf eigener Hardware betreibt, bekommt mit Goose eine Oberfläche, in der diese Modelle Dateien lesen, Werkzeuge aufrufen und Aufgaben abarbeiten. Goose bindet lokale Modelle ab Werk an, installierte Modelle tauchen direkt in der Auswahl auf.
- Teams, die Abläufe weitergeben wollen: Rezepte sind Textdateien und liegen wie Code in der Versionsverwaltung. Eine geprüfte Ablaufbeschreibung wandert damit vom Kollegen, der sie gebaut hat, zu allen anderen, ohne dass jemand einen langen Prompt nachbaut.
DSGVO und Datenschutz
Goose läuft als Programm auf dem eigenen Rechner, es gibt keinen Betreiber, bei dem Sitzungen zusammenlaufen, und damit auch keinen Auftragsverarbeitungsvertrag, den Sie schließen könnten. Anonyme Nutzungsdaten sammelt das Projekt nur nach ausdrücklicher Zustimmung beim ersten Start, und selbst dann geht es um Betriebssystem, Version, genutzten Anbieter und Zählwerte, ausdrücklich nicht um Gesprächsinhalte, Code oder Werkzeug-Parameter.
Damit hängt die datenschutzrechtliche Bewertung fast vollständig am Modell dahinter. Ein lokales Modell hält die gesamte Verarbeitung auf Ihrer Hardware, über Scaleway oder OVHcloud bleibt sie immerhin in der EU, und wer OpenAI oder Anthropic anbindet, arbeitet mit deren Bedingungen samt Übermittlung in die USA. Weil das Programm selbst keinen EU-Standort und keinen Vertrag mitbringt und die Bewertung an einer Entscheidung hängt, die Sie treffen, führen wir Goose nicht als DSGVO-konform.
Im Juli 2026 wurde eine schwerwiegende Lücke im Kommandozeilen-Befehl goose review gemeldet. Ein präpariertes Repository konnte über eine einzige Zeile in seiner Git-Konfiguration beliebige Befehle auf dem Rechner starten, bevor überhaupt ein Sprachmodell befragt wurde. Berechtigungsabfrage und Sicherheitsprüfungen griffen dabei nicht. Version 1.44.0 vom 23. Juli behebt das, ältere Installationen sind angreifbar.
Wer Schreibzugriff auf ein gemeinsames Repository hat, kann darüber Code auf den Rechnern aller Beteiligten starten. Fremde Projekte, Rezepte und Erweiterungen muss deshalb jemand ansehen, bevor sie in Umlauf kommen. Die Berechtigungsstufe bleibt besser nicht dauerhaft auf Auto, und Updates gehören zeitnah eingespielt.
Alternativen zu Goose
- OpenCode: Quelloffener Agent mit Schwerpunkt auf Programmierarbeit, ebenfalls mit Terminal- und Desktop-Oberfläche und einer noch längeren Anbieterliste. Rezepte als teilbare Ablaufdateien und einen Zeitplaner gibt es dort nicht.
- OpenHands: Läuft in einem Container mit Weboberfläche und kommt damit im Team schneller auf einen gemeinsamen Stand. Dafür ist die Einrichtung aufwendiger als eine Installationsdatei, und der Fokus liegt enger auf Entwicklungsaufgaben.
- Claude Code: Deutlich ausgereifter in der reinen Programmierarbeit, dafür an Anthropic gebunden. Der Quelltext ist geschlossen, ein lokales Modell können Sie nicht einhängen.
Vorteile
- Desktop-App und Kommandozeile mit derselben Konfiguration, die Oberfläche gibt es auch auf Deutsch
- Über 40 Modellanbieter, darunter lokale Modelle und europäische Hoster wie Scaleway und OVHcloud
- Mehrstufige Absicherung aus Berechtigungsstufen, Erkennung eingeschleuster Anweisungen und unabhängigem Prüf-Agenten
- Apache-2.0, über 52.000 GitHub-Sterne, Trägerschaft bei der Linux Foundation
Nachteile
- Ab Werk arbeitet Goose ohne Rückfrage, und die Erkennung eingeschleuster Anweisungen ist abgeschaltet
- Hoher Versionstakt, allein im Juli 2026 erschienen 6 neue Versionen
- Der Datenschutz hängt am gewählten Modellanbieter und bleibt Ihre Aufgabe